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Reformation
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Die Reformation (lateinisch reformatio „Wiederherstellung, Erneuerung“) im engeren Sinne war die kirchliche Erneuerungsbewegung, die im frĂŒhen 16. Jahrhundert zur Spaltung des westlichen Christentums in mehrere verschiedene Konfessionen fĂŒhrte, in die protestantischen der Lutheraner, Reformierten und TĂ€ufer sowie in die katholische. Ihr Beginn wird traditionell auf den 31. Oktober 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die TĂŒr der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll.

Die Reformation ging zunĂ€chst von Wittenberg und ZĂŒrich aus. In den 1540er Jahren entwickelte sich Genf unter dem Einfluss Johannes Calvins zu ihrem dritten Zentrum mit europaweiter Ausstrahlung. Zu einem vorlĂ€ufigen Abschluss kam sie innerhalb des Heiligen Römischen Reichs mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555. Die GegensĂ€tze zwischen den protestantischen und den gegenreformatorischen, katholischen ReichsstĂ€nden, die 1618 mit zum DreißigjĂ€hrigen Krieg fĂŒhrten, wurden endgĂŒltig erst 1648 im WestfĂ€lischen Frieden beigelegt. Auch außerhalb des Reichs setzte sich die reformatorische Bewegung noch bis ins 17. Jahrhundert fort.cite-ref-1[1]

Im weiteren Sinne wurde der Begriff im ausgehenden SpĂ€tmittelalter und der frĂŒhen Neuzeit allgemein auf Reformen religiöser oder sĂ€kularer Art angewendet, etwa auf die Bestrebungen der Hussiten des frĂŒhen oder auf die Reichsreform des ausgehenden 15. Jahrhunderts.

Contents

‱ Humanismus
‱ Buchdruck
‱ Frankreich
‱ England
‱ Skandinavien
‱ Italien
‱ Rezeption
‱ Literatur
‱ Weblinks
‱ Medien

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Wesentliche Punkte und Vielfalt

Die reformatorische Bewegung war von Anfang an vielfĂ€ltig. Aus der Wittenberger Reformation ging das Luthertum hervor, aus der Schweizer Reformation die reformierte Kirchenfamilie, zu der Presbyterianer und Kongregationalisten gehören. Zur radikalen Reformation gehören der Spiritualismus und die im Umfeld der Schweizer Reformation entstandene TĂ€ufer­bewegung, die die Wiederherstellung der neutestamentlichen Gemeinde Jesu erstrebte. Die von ihnen ausschließlich praktizierte GlĂ€ubigentaufe, die von ihren Gegnern als Wiedertaufe bezeichnet wurde, war nur ein Teil und – genau genommen – Folge ihrer Ekklesiologie. Kirche war fĂŒr sie die Gemeinde der GlĂ€ubigen, in der die sozialen Schranken gefallen waren. Sie praktizierten das Priestertum aller GlĂ€ubigen und wĂ€hlten ihre Ältesten und Diakone auf frĂŒh-demokratische Weise. Sie traten fĂŒr die radikale Trennung von Kirche und Staat ein, forderten Religionsfreiheit nicht nur fĂŒr sich und verweigerten in weiten Teilen ihrer Bewegung den Eid. Vor allem das machte sie den Obrigkeiten verdĂ€chtig, die deshalb zu scharfen Gegenmaßnahmen und Verfolgungen griffen. Zu den aus dem TĂ€ufertum hervorgegangenen Kirchen gehören heute die Mennoniten, die Hutterer und die Amischen.

Sonderformen entstanden durch die englische Reformation im Anglikanismus, in Teilen Osteuropas bildete sich der Unitarismus aus. Als „kirchenhistorischer Sonderfall“ wird die Reformation in SiebenbĂŒrgen angesehen.cite-ref-leppin-2005-2-0[2]

Bisweilen wird die Böhmische Reformation des frĂŒhen 15. Jahrhunderts, aus der die Bewegung der Hussiten hervorging, als „erste Reformation“ bezeichnet.cite-ref-3[3] Ihr BegrĂŒnder war der Prager Prediger Jan Hus, dessen von der Römischen Kirche abweichende Lehre als erste im europĂ€ischen Mittelalter zumindest teilweise offizielle Anerkennung fand. Hus wiederum war von dem englischen Theologen John Wyclif beeinflusst, der im ausgehenden 14. Jahrhundert den Machtanspruch des Papstes bestritten und GlaubenssĂ€tze formuliert hatte, die spĂ€ter in den Protestantismus einflossen.

BegriffsklÀrungen

Der lateinische Begriff reformatio bezeichnete im SpĂ€tmittelalter eine RĂŒckkehr zu einer idealisierten Ordnung der Vergangenheit, aber auch Reformmaßnahmen. Im Deutschen Bauernkrieg griff man den traditionellen reformatio-Begriff auf; bei Luther, Zwingli oder Calvin ist er dagegen selten zu finden. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurde es ĂŒblich, die mittlerweile verstorbenen Vordenker als Reformatoren zu bezeichnen. Der WestfĂ€lische Friede brachte 1648 den Begriff ius reformandi, und reformiert wurde zur (umstrittenen) konfessionellen Selbstbezeichnung.cite-ref-4[4]

Der Begriff „Reformation“ hatte bis Mitte des 19. Jahrhunderts die weitere Bedeutung von „Reform“ und wurde seitdem auf die Religionskonflikte des 16. Jahrhunderts eingegrenzt. Leopold von Ranke (Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation, 1839–1847) behandelte die Reformationszeit erstmals als eine geschichtliche Periode.cite-ref-5[5] Dass ein vielschichtiger Prozess so auf den Begriff gebracht wurde und einer Geschichtsepoche den Namen gab, zeigt, wie stark die deutsche Geschichtswissenschaft im frĂŒhen 19. Jahrhundert protestantisch dominiert war.cite-ref-6[6]

Der katholische Kirchenhistoriker Hubert Jedin sah innerhalb der römisch-katholischen Kirche eine große Reformbewegung vom SpĂ€tmittelalter bis zur AufklĂ€rung, in die er die protestantische, von ihm als HĂ€resie betrachtete und deshalb in AnfĂŒhrungszeichen gesetzte Reformation ebenso einordnete wie die Gegenreformation.cite-ref-7[7]

Roland Bainton prĂ€gte 1941 den Begriff „linker FlĂŒgel der Reformation“ (left wing of the Reformation) fĂŒr Gruppen wie die TĂ€uferbewegung und die Spiritualisten, weil sie zu einem radikaleren Bruch mit der Tradition bereit gewesen seien. Wegen der irrefĂŒhrenden politischen Konnotationen schlug George Huntston Williams fĂŒr diese Gruppen die Bezeichnung Radikale Reformation vor, der sich im englischsprachigen Raum weitgehend durchgesetzt hat.cite-ref-8[8]

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts setzte sich der Begriff „Zweite Reformation“ fĂŒr die vor allem mit dem Namen Calvin verbundene Entwicklung reformierter Kirchen durch. Er bringt allerdings schlecht zum Ausdruck, dass die Schweizer Reformation nicht nach der Wittenberger Reformation, sondern etwa gleichzeitig mit ihr begann.cite-ref-9[9]

Voraussetzungen

Humanismus

Der Humanismus war eine seit dem 14. Jahrhundert aus Italien ausstrahlende Bildungsbewegung, die fĂŒr eine Wiederbelebung der antiken Gelehrsamkeit eintrat. Nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) waren byzantinische Gelehrte nach Italien geflohen und hatten dem Studium der griechischen Sprache und der antiken Autoren neue Impulse gegeben.cite-ref-10[10] Renaissance-Humanisten wie Erasmus von Rotterdam oder Willibald Pirckheimer lasen Werke der griechisch-römischen Antike in der Erwartung, darin Wertvolles fĂŒr das persönliche Leben und die gesellschaftliche Ordnung zu finden. Die Kirche war in diesem antiken Kontext entstanden; und Humanisten gingen davon aus, dass pagane und christliche Autoren jener Zeit sich grundsĂ€tzlich ergĂ€nzten.cite-ref-11[11]

Buchdruck

Die Geschichte und der Verlauf der Reformation sind auch Mediengeschichte, in die sich Luther, vor allem zu Beginn, auch direkt einbrachte. So verteilte er DruckauftrĂ€ge an verschiedene Druckereien, begutachtete die DruckqualitĂ€t und beklagte sich hĂ€ufig ĂŒber schlechte Ergebnisse.cite-ref-12[12] Luther und seinen Mitstreitern gelang es durch die Verbreitung seiner Schriften, d. h. durch Herstellung von Öffentlichkeit, den theologischen Diskurs in eine grĂ¶ĂŸere Leserschaft zu tragen.

Nachdem sich seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Buchdruck mehr und mehr verbreitet hatte, kam es um die Jahrhundertwende zu einer gewissen Stagnation im Verlags- und Druckwesen. Dies Ă€nderte sich u. a. durch den Beginn der Reformation: Innerhalb kĂŒrzester Zeit stiegen die Auflagenzahlen immens an.cite-ref-13[13] So sahen Pettegree (2016)cite-ref-14[14] bzw. Pettegree und Hall (2004)cite-ref-15[15] in der gelungenen Verbindung zwischen Buchdruck, der Volkssprachlichkeit, dem vermehrten Gebrauch von Illustrationen, so etwa aus der Werkstatt von Lucas Cranach, aber auch in der dezentralen Verbreitung der Druckerzeugnisse wichtige SĂ€ulen fĂŒr die Ausbreitung der reformatorischen Ideen. WĂ€hrend die vorhandenen bzw. sich entwickelnden Briefnetzwerke das zentrale Informationsaustauschmedium fĂŒr humanistische und reformatorische Inhalte unter der Bildungselite waren, öffneten die Druckmedien diese Botschaften einem immer grĂ¶ĂŸer werdenden Kreis der literalen Leserschaft. Luther hatte sich nach seiner Übernahme der Wittenberger Professur, lectura in biblia im Jahr 1512 mit Druckveröffentlichungen zunĂ€chst zurĂŒckgehalten. Erst als unautorisierte Nachdrucke seiner „95 Ablassthesen“ nach 1517 in NĂŒrnberg, Leipzig und Basel erschienen waren, kam es offenbar zu einem Wechsel in der Publikationsstrategie.cite-ref-16[16]

1520, auf dem Zenit von Luthers publizistischem Schaffen, kamen im deutschsprachigen Raum etwa 500.000 seiner Schriften und Flugschriften auf den Markt, obgleich das Analphabetentum in jener Zeit hoch war. GeschĂ€tzt konnten nur etwas mehr als eine Million von knapp zwölf Millionen Einwohnern des Heiligen Römischen Reiches lesen. Eine von Luthers meistverkauften Flugschriften, An den christlichen Adel deutscher Nation, wurde in ihrem Erscheinungsjahr 1520 insgesamt fĂŒnfzehnmal aufgelegt, bei bis zu 4000 Exemplaren pro Auflage.

Im Zusammenhang der von Wittenberg ausgehenden reformatorischen Bewegung traten auch andere Autoren publizistisch hervor. Berechnungen zufolge wurden alleine im Jahr 1524 ca. 2400 Flugschriften mit einer geschÀtzten Gesamtanzahl von 2,4 Millionen Exemplaren veröffentlicht.cite-ref-17[17]

Die Verbreitung der Reformation beruhte wesentlich auf der Einbeziehung der volkssprachlichen Leserschaft. Sie erfuhr von der gesamten Entwicklung, ausgehend von der Ablasskritik und spĂ€ter zu den kirchenreformerischen VorschlĂ€gen erst, als sich reformatorische Autoren bewusst mit volkssprachlichen Texten, insbesondere mit Flugschriften, an sie wandten.cite-ref-18[18] So hatte Luther in den Jahren 1518 bis 1519 festgestellt, dass lateinische und deutschsprachige Texte zwei intellektuell wie sozial verschiedene Rezipientenkreise erreichen. Er unterschied zwischen Gelehrten, unter denen er Lateinkundige, vor allem Theologen, verstand, und Laien, die den weitaus grĂ¶ĂŸeren Teil der Untertanen im Heiligen Römischen Reich bildeten und höchstens ĂŒber volkssprachliche Lesefertigkeiten verfĂŒgten.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]

Soziale und wirtschaftliche Faktoren

Das 16. Jahrhundert war von tiefen gesellschaftlichen Umwandlungsprozessen geprĂ€gt. Ein Grund dafĂŒr war die zunehmende Bedeutung der StĂ€dte. Durch Handel hatte sich in den StĂ€dten eine BĂŒrgerschicht gebildet, die ĂŒber betrĂ€chtliche Finanzkraft verfĂŒgte. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom FrĂŒhkapitalismus. Die Patrizier in den StĂ€dten, z. B. die Fugger in Augsburg, ĂŒbertrafen mit ihrer Wirtschaftskraft oft den landsĂ€ssigen Adel, der sich in der Landwirtschaft betĂ€tigte. Die Landwirtschaft beruhte auf der Arbeit der Bauern, die den Großteil der Bevölkerung bildeten. Sie lebten meistens am Existenzminimum und litten unter Steuern, Abgaben, Frondiensten und Leibeigenschaft. Hinzu kam, dass durch den stetigen Zustrom von Edelmetallen aus den spanischen Kolonien in Amerika der Geldwert sank (Inflation). Die Kaufkraft der Bevölkerung sank zum Teil dramatisch, so dass Wirtschaftshistoriker von einer „Preisrevolution“ sprechen.cite-ref-21[21] DarĂŒber hinaus wuchs die Bevölkerung. Man nimmt an, dass zwischen 1500 und 1600 die Bevölkerung des Deutschen Reichs von 12 auf 15 Millionen anstieg.cite-ref-22[22] Infolge des Bevölkerungszuwachses verteuerten sich die Nahrungsmittel, wĂ€hrend ArbeitskrĂ€fte billiger wurden. Diese sozial und wirtschaftlich prekĂ€re Lage fĂŒhrte seit dem Ende des 15. Jahrhunderts immer wieder zu AufstĂ€nden, die im Deutschen Bauernkrieg 1525 gipfelten.

Politische Faktoren

Reichsverfassung

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bestand aus vielen Einzelterritorien, war also kein zentralisierter Staat wie England oder Frankreich. Der Kaiser als höchste Instanz im Reich wurde von den sieben KurfĂŒrsten (Mainz, Köln, Trier, Sachsen, Pfalz, Brandenburg, Böhmen) gewĂ€hlt, musste ihnen aber in der sogenannten Wahlkapitulation die Wahrung ihrer territorialen Rechte zugestehen.cite-ref-23[23] Das höchste gesetzgebende Organ des Reiches waren die Reichstage, die vom Kaiser, meist wenn dieser Geld brauchte, einberufen wurden. Der Kaiser konnte Gesetze nicht allein verabschieden, sondern benötigte die Zustimmung des Reichstages, auf dem die KurfĂŒrsten, der Hochadel im ReichsfĂŒrstenrat und die ReichsstĂ€dte stimmberechtigt waren. Aus diesem Grund spricht man vom Dualismus zwischen Kaiser und ReichsstĂ€nden. Dies war ein wesentlicher Faktor bei der Ausbreitung der Reformation. Aufgrund der fehlenden Zentralinstanz im Reich entschied sich das Schicksal der Reformation auf territorialer Ebene. Dies fĂŒhrte zu einer konfessionellen Fragmentierung des Reiches, die der Kaiser verhindern wollte, es aber wegen seiner fehlenden Macht nicht konnte. Ein weiterer Grund war, dass sich Karl V. in den ersten Jahren nach Luthers Thesenveröffentlichung selten im Reich aufhielt und mit Kriegen gegen Frankreich und das Osmanische Reich beschĂ€ftigt war, so dass er sich wenig um die Angelegenheiten im Reich kĂŒmmern konnte. Außerdem lag die EinfĂŒhrung der Reformation oft im Interesse der einzelnen LandesfĂŒrsten, die sich dadurch von Kaiser und Papst emanzipieren konnten.

Politische Situation in Europa

Zu den verfassungsmĂ€ĂŸigen Problemen im Reich kam die politische Situation in Europa. Diese war in erster Linie geprĂ€gt durch den Gegensatz von Habsburg und Frankreich.cite-ref-24[24] Kaiser Karl V. und der französische König Franz I. fĂŒhrten zwischen 1521 und 1544 mit nur kurzen Unterbrechungen drei Italienkriege um die Vormachtstellung in Oberitalien und die Herrschaft ĂŒber die burgundischen Erblande, auf die beide Anspruch erhoben. Das Habsburgerreich erstreckte sich ĂŒber das Reich in Zentraleuropa, Spanien (mit SĂŒditalien) und die spanischen Kolonien in der Neuen Welt. Frankreich war von zwei habsburgischen Territorien umklammert. Das Ziel Karls V. war die Verbindung des Reiches mit Spanien durch die Annexion SĂŒdfrankreichs. Franz I. wollte dies um jeden Preis verhindern. Auch der Papst fĂŒrchtete eine Übermacht der Habsburger und verbĂŒndete sich zeitweise mit dem französischen König.

Hinzu kam die dauernde TĂŒrkengefahr im SĂŒdosten Europas. 1526 hatten die Osmanen in der Schlacht von MohĂĄcs die Ungarn besiegt und belagerten 1529 Wien, das zu den habsburgischen Erblanden gehörte. Der Kaiser war gezwungen, Geld und Truppen aufzubringen, um dieser Gefahr zu begegnen. Dazu benötigte er die Zustimmung der ReichsstĂ€nde, was seine Position im Reich schwĂ€chte.

Aufgrund der zahlreichen Verpflichtungen außerhalb des Reichs befand sich Karl V. 1521–1530 und 1532–1541 im Ausland. In dieser Zeit konnte sich die Reformation im Reich ausbreiten.

Religiöse Faktoren

Berndt Hamm zufolge war um 1500 das GefĂŒhl weitverbreitet, in einer Krisenzeit zu leben. Die Macht der SĂŒnde, der jederzeit nahe Tod und der zu erwartende strenge Richterspruch Gottes waren stĂ€ndig prĂ€sent als BedrohungsgefĂŒhl. Die Menschen reagierten darauf, indem sie Sicherheiten suchten: „Zugang zum göttlichen Erbarmen, Schutz vor den teuflischen MĂ€chten, Bewahrung in der Todesstunde, Rettung im Gericht und Milderung der Fegefeuerstrafen“. Attraktiv waren Ideen, die persönliche LebensfĂŒhrung und die Organisation des Gemeinwesens konsequent nach den Geboten Gottes zu strukturieren.cite-ref-25[25] Die Kirche verwaltete, so glaubte man, die Verdienste Christi und der Heiligen als Gnadenschatz, und sie stellte Möglichkeiten bereit, Gottes Vergebung zu erlangen. In dieser Rolle war sie im SpĂ€tmittelalter anerkannt, mehr als in anderen Epochen der Kirchengeschichte.cite-ref-26[26] Das bipolare Modell VerĂ€ußerlichung / Verinnerlichung wurde in der Forschungsgeschichte gern fĂŒr den Übergang vom SpĂ€tmittelalter zur Reformationszeit herangezogen, was nicht unproblematisch ist.cite-ref-27[27]

Domkapitel und Klöster dienten der Versorgung nachgeborener Söhne des Adels, die standesgemĂ€ĂŸ lebten; der niedere Klerus passte sich auf dem Land den „Lebensformen seines Milieus an“, etwa durch Konkubinat oder durch Betreiben einer Gastwirtschaft.cite-ref-28[28] Charakteristisch fĂŒr spĂ€tmittelalterliche Frömmigkeit sind Stiftungen, Seelenmessen, Wallfahrten, Prozessionen und der Erwerb von Ablassbriefen, durch die die Zeit im Fegefeuer verkĂŒrzt werden sollte. All diese Leistungen konnten gegen Geld von der Kirche erworben werden – eine „Fiskalisierung“ der Religion.cite-ref-29[29] Das rief Kritik hervor: einerseits an dem Klerikerproletariat, das von den Seelenmessen mehr schlecht als recht lebte, andererseits an dem Lebensstil des hohen Klerus (Bischöfe, Domherren), die PfrĂŒnden ansammelten, aber die damit verbundenen Pflichten delegierten, ohne sich um die seelsorgerliche Versorgung der jeweiligen Pfarreien groß zu bekĂŒmmern.cite-ref-30[30] Hans-JĂŒrgen Goertz gebraucht aufgrund dieser weitverbreiteten Kritik am geistlichen Stand den Begriff „Antiklerikalismus“ als ErklĂ€rungsmodell fĂŒr die FrĂŒhphase der Reformation.cite-ref-31[31] Nicole Grochowina vermutet eine „Partizipationskrise“ der Laien, besonders im stĂ€dtischen BĂŒrgertum, am Vorabend der Reformation: der Lebensstil des Klerus ĂŒberzeugte nicht mehr, andererseits war er in seinem Zugang zum Heiligen weiterhin gegenĂŒber den Laien privilegiert. So gesehen, war es vielleicht Luthers Lehre vom Priestertum aller Getauften, die zahlreiche Menschen fĂŒr die Reformation einnahm (mehr als die reformatorische Rechtfertigungslehre). Bot sie doch die Möglichkeit, selbst Verantwortung fĂŒr das eigene Seelenheil zu ĂŒbernehmen.cite-ref-32[32]

Die Reformatoren bezogen sich positiv auf Akteure des 14. und 15. Jahrhunderts, die sie als VorlÀufer ansahen. Deren Kritikpunkte und Reformideen hatten sie nach eigener Wahrnehmung aufgenommen und weiterentwickelt:

‱ John Wyclif war ein scholastischer Theologe, der an der UniversitĂ€t Oxford lehrte und dort als scharfer Kirchenkritiker hervortrat (besonders 1372–78). Die Amtskirche strebte mehrmals einen HĂ€resieprozess gegen ihn an, aber dies misslang. Er verlor jedoch seine Stelle an der UniversitĂ€t und zog sich als Landpfarrer nach Lutterworth zurĂŒck. Wycilf relativierte die AutoritĂ€t der sichtbaren Kirche, ihre Hierarchie und ihre Sakramente. Die Zugehörigkeit zu Christus zeigte sich fĂŒr ihn in konkreten Taten der Nachfolge. Dem König seien auch die Kleriker zu Gehorsam verpflichtet. Den Ablass bezeichnete er als „frommen Betrug“ (pia fraus). Mit seiner Abendmahlslehre stieß er auf massive Opposition. Denn er lehnte die Transsubstantiationslehre ab und lehrte, dass Christus seinshaft im Himmel und auf geistliche Weise in den eucharistischen Gaben prĂ€sent sei, die er als wirksames Zeichen (signum efficiax) interpretierte. Die Bibel war fĂŒr Wyclif das Gesetz Gottes, Christus dessen Überbringer. Er regte eine englische BibelĂŒbersetzung an. Das Konstanzer Konzil verurteilte ihn 1415 postum als Ketzer; seine Gebeine wurden exhumiert und verbrannt. Seine Ideen lebten in England in der Bewegung der Lollarden weiter und wurden durch Oxforder Studenten nach Prag vermittelt. Auf Wyclif als „Morgenstern der Reformation“ bezog sich besonders der Puritanismus.cite-ref-33[33]
‱ Jan Hus kam an der UniversitĂ€t in Prag mit Gedankengut von Wyclif in BerĂŒhrung. Hus studierte Theologie und wurde Professor an der UniversitĂ€t. Er kritisierte offen die Habsucht und Verweltlichung des Klerus und plĂ€dierte fĂŒr eine grundlegende Reform auf der Grundlage der Bibel. Außerdem erkannte er den Papst nicht als höchste AutoritĂ€t in Glaubensdingen an. Hus’ Kritik stieß zur Beunruhigung der Kirche in der Bevölkerung auf großen Zuspruch. 1408 wurde er seines Amtes enthoben und 1411 exkommuniziert, woraufhin in Prag Unruhen ausbrachen. Hus wirkte als Wanderprediger weiter und entwarf eine Lehre von der Kirche als hierarchiefreie Gemeinde unter dem Haupt Christus. 1414 wurde Hus vor das Konstanzer Konzil geladen, wo er seine Aussagen widerrufen sollte. Entgegen der Zusage freien Geleits durch König Sigismund wurde Hus 1415 als Ketzer verbrannt. In der Folge bildeten sich zahlreiche Strömungen, die sich direkt auf Jan Hus bezogen und daher Hussiten genannt wurden. Von 1419 bis 1436 kam es in Böhmen zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppen und dem böhmischen König (Hussitenkriege).

FrĂŒhe Reformation bis 1530

Martin Luther und die Wittenberger Reformation

Luthers innere Entwicklung zum Reformator

Martin Luther war 1505 als Mönch in den Orden der Augustiner-Eremiten eingetreten. Seit 1512 hatte Luther an der UniversitĂ€t Wittenberg die Bibelprofessur seines Ordens inne.cite-ref-34[34] Sein Ordensoberer Johann von Staupitz hatte in Erfurt und Wittenberg eine „Lesegemeinschaft“ angeregt, in der man sich sehr intensiv mit den Schriften des Mystikers Tauler befasste. Zu diesem Kreis gehörte Andreas Karlstadt, Johann Lange, Justus Jonas und dann auch Luther.cite-ref-35[35] Taulers Predigten und die ihm fĂ€lschlicherweise zugeschriebene Schrift Theologia deutsch ĂŒbten großen Einfluss auf Luther aus. Das Studium des Römerbriefs und die intensive BeschĂ€ftigung mit der paulinischen Theologie beeinflussten sein Denken sehr stark. Luther schrieb rĂŒckblickend, er habe in seiner Klosterzeit am Bewusstsein seiner SĂŒndhaftigkeit und des drohenden Endgerichts gelitten.cite-ref-36[36] Der Begriff der „Gerechtigkeit Gottes“ sei ihm zutiefst verhasst gewesen. Seinem damaligen Gerechtigkeitsbegriff lag die Vorstellung der iusititia distributiva („verteilende Gerechtigkeit“) zugrunde. Nach dieser Gerechtigkeitskonzeption bekommt jeder das, was ihm zusteht (suum cuique – jedem das Seine). Doch durch die BeschĂ€ftigung mit der paulinischen Rechtfertigungslehre erschloss sich Luther ein neues VerstĂ€ndnis der Gerechtigkeit Gottes, die er nun als iustitia passiva („passive Gerechtigkeit“) verstand:

„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: ‚Der Gerechte wird aus Glauben leben.‘“ (Röm 1,17 )

Gott ist gerecht, indem er gerecht macht. Der SĂŒnder kann seine Rechtfertigung also nicht durch Werke verdienen, sondern nur im Glauben von Gott gerechtfertigt werden.

Der Zeitpunkt des sogenannten „reformatorischen Durchbruchs“ ist in der Forschung umstritten. In einem autobiographischen RĂŒckblick beschrieb Luther 1545 seine befreiende neue Erkenntnis der Gerechtigkeit Gottes so, als sei er in der Zeit der ersten Psalmenvorlesung (1513–1515) darauf gestoßen. Wenn man aber voraussetzt, dass solch ein Durchbruch auch in seinen damaligen Schriften Spuren hinterlassen haben mĂŒsste, kommt man ins FrĂŒhjahr 1518.cite-ref-37[37] „Da das Ereignis in den Quellen jener Jahre von L[uther] nie direkt erwĂ€hnt wird, empfiehlt es sich, seine theol[ogische] Entwicklung möglichst unabhĂ€ngig von jenem Vorgang nachzuzeichnen,“ fasst Reinhard Schwarz zusammen.cite-ref-38[38]

Der Petersablass (1515)

Ein konkreter Anlass fĂŒr die Reformation war der von Papst Leo X. im Jahr 1515 erlassene Petersablass zur Finanzierung des seit 1506 im Bau befindlichen neuen Petersdoms in Rom: Leo war nĂ€mlich seit seinem Amtsantritt als Papst im Jahr 1513 fĂŒr die FortfĂŒhrung der von seinem VorgĂ€nger Julius II. begonnenen Baustelle verantwortlich.

Im gleichen Jahr wurde Albrecht von Brandenburg trotz fehlender Qualifikation (zu frĂŒhes Alter und keine theologische Bildung) durch eine Ausnahmebewilligung (Dispens), fĂŒr die er eine hohe BestĂ€tigungsgebĂŒhr (siehe: Simonie) auszahlen musste, zum Erzbischof von Magdeburg geweiht. Kurz darauf wurde er durch einen weiteren pĂ€pstlichen Dispens (entsprechend Canon 29 des Vierten Laterankonzils (1215), welcher eine ÄmterhĂ€ufung nur durch eine pĂ€pstliche Sondererlaubnis in AusnahmefĂ€llen gewĂ€hrtcite-ref-39[39]) Administrator des Bistums Halberstadt. Im darauffolgenden Jahr erwarb er sich zusĂ€tzlich das Bistum Mainz. Die Transaktion und Mission lief reibungslos, bis der Erzbischof von Salzburg, MatthĂ€us Lang von Wellenburg, EinwĂ€nde gegen die beabsichtigte ÄmterhĂ€ufung Albrechts erhob. Papst Leo X. forderte von Albrecht daraufhin eine noch höhere BearbeitungsgebĂŒhr. Wegen den hohen Schulden empfahlen Albrechts Berater ihm darauf einen Ablasshandel, um seine Schulden fĂŒr die erworbenen Ämter zurĂŒckzahlen zu können.cite-ref-40[40] Zwar konnte damals ein gewöhnlicher Ablass (der Erlass einer zeitlichen Einheit von vierzig Tagen verschĂ€rfter Bußzeit) praktisch ĂŒberall bei der Kirche erworben werden, doch als deutlich gewinnbringender galten wirtschaftlich gesehen PlenarablĂ€sse: Diese besonderen AblĂ€sse propagierten nĂ€mlich die vollstĂ€ndige Vergebung der SĂŒndenstrafen des KĂ€ufers. Jedoch konnte nach kirchlicher Lehre allein der Papst solche ausschreiben, meist nur aus besonderen AnlĂ€ssen wie JubilĂ€en, fĂŒr militĂ€rische Kampagnen oder kirchliche Baumaßnahmen: Denn entsprechend der Bulle Unigenitus Dei filius (1343) verfĂŒgt allein der Papst durch das petrinische SchlĂŒsselamt Gewalt ĂŒber den sogenannten Gnadenschatz der Kirche (thesaurus ecclesiae); die im Himmel aufbewahrten ÜberschĂŒsse an den unvergĂ€nglichen Verdiensten Christi und den guten Werken der Heiligen. Diese im Gnadenschatz enthaltenen Gnaden kann er dann durch PlenarablĂ€sse an die GlĂ€ubigen austeilen.cite-ref-41[41]

Albrecht schlug dem Papst somit im Sommer 1514 durch eine Supplik die Ausschreibung eines besonderen Ablasses vor, der in seinen BistĂŒmern Mainz und Magdeburg sowie dem heimischen Bistum Brandenburg acht Jahre lang verkauft werden sollte. Die Einnahmen sollten „nach Abzug der Unkosten“ (deductis oneribus) lediglich zur HĂ€lfte fĂŒr den Neubau des Petersdoms bestimmt sein; die andere HĂ€lfte sollte in die Kassen der BistĂŒmer Albrechts fließen. Mit dem bestechenden Versprechen einer Sofortzahlung von 10.000 Kammerdukaten an Rom erwartete er zudem die pĂ€pstliche Zusage, den Ablass nicht vorzeitig zu annullieren oder zu suspendieren, keine konkurrierenden AblĂ€sse zu gewĂ€hren, keine weiteren Zahlungen fĂŒr seine kirchenrechtswidrige ÄmterhĂ€ufung zu verlangen und seinem Bruder, KurfĂŒrst Joachim I. von Brandenburg, das Patronatsrecht der Dompropsteien in Brandenburg und Havelberg lebenslĂ€nglich zu ĂŒberlassen.cite-ref-9-42-0[42] Papst Leo stimmte der Vereinbarung zu: Die darauffolgende pĂ€pstliche Ablassbulle Sacrosanctis wurde am 31. MĂ€rz 1515 erlassen und Albrecht zum Ablasskomissar des Papstes ernannt. Die Einzelheiten bezĂŒglich der Aufteilung des Gewinns wurden auf Wunsch Albrechts, da die Bulle ihm nicht prĂ€zise genug formuliert worden war und er seinen Anteil zusĂ€tzlich abgesichert haben wollte, im FrĂŒhjahr 1516 durch einen schriftlichen „Vertrag“ (conventio) festgehalten.cite-ref-9-42-1[42]cite-ref-43[43] Historikerin Christiane Schuchard spricht von einem „politisch-finanziellen VertragsverhĂ€ltnis“.cite-ref-9-42-2[42]

Der in der Bulle enthaltene Plenarablass erließ den KĂ€ufern des entsprechenden Ablassbriefs bei einer sofort und in der Todesstunde abgelegten Beichte die zeitliche SĂŒndenstrafe im Fegefeuer fĂŒr fast alle SĂŒnden. Fast alle GelĂŒbde (außer KlostergelĂŒbde) konnten damit umgewandelt und also abgegolten werden.cite-ref-44[44]

Der Ablassstreit (ab 1517)

Ab 22. Januar 1517 ließ der Dominikaner Johann Tetzel, einer bis dahin einflussreichsten AblassfunktionĂ€recite-ref-9-42-3[42], als Generalsubkommissar fĂŒr die Ablasskampagnecite-ref-45[45] eine vergröbernde Version der Ablassanweisung drucken, um deren finanziellen Ertrag zu erhöhen. BĂŒrger und Kaufleute zahlten pro Person drei, Handwerker einen Gulden, Mittellose sollten fasten und beten. Tetzel selbst verdiente daran 80 Gulden im Monat und weitere VergĂŒnstigungen. In Kursachsen durfte er jedoch nicht aktiv werden: KurfĂŒrst von Sachsen Friedrich III. war entschieden gegen die Werbung fĂŒr den Plenarablass in der NĂ€he seiner Landesgrenzen. Er sah nĂ€mlich im Ablasshandel eine wirtschaftliche Konkurrenz fĂŒr seine PilgerstĂ€tte, die Reliquiensammlung in Wittenberg, an welcher an bestimmten Feiertagen ebenfalls enorme Ablassgnaden erworben werden konnten: Es sollten von daher keine Finanzmittel aus dem eigenen Herrschaftsbereich in das rivalisierende Brandenburg fließen.cite-ref-22-46-0[46]cite-ref-47[47] Dennoch erwarben viele Wittenberger ihren Ablassbrief im 35 km entfernten JĂŒterbog oder in Zerbst. So erfuhr auch Luther von der Ablasskampagne, und zwar als Beichtvater: Einige Bewohner Kursachsens hatten sich jenseits der kursĂ€chsischen Landesgrenzen Ablass beschafft und verlangten darauf wĂ€hrend der Beichte von Luther eine Lossprechung ihrer SĂŒndenschuld, jedoch ohne jede Buße.cite-ref-22-46-1[46] Im SpĂ€tsommer 1517 bekam Luther dann Tetzels Ablassanweisung zu lesen.cite-ref-48[48]

SpĂ€testens seit 1514 war Luther gegenĂŒber der Ablasspraxis skeptisch gewesen: In der ersten Psalmenvorlesung (Dictata super Psalterium, 1513–1515) hatte Luther geĂ€ußert, dass die Kirche „den Weg zum Himmel durch AblĂ€sse leicht und mit minimalistischen Anforderungen – ein Seufzer genĂŒgt – die Gnade billig“ mache.cite-ref-49[49] Ähnliche Kritik findet sich in der Römerbriefvorlesung (1515/16) und in seinen Predigten.

Die 95 Thesen

Luther kritisierte das Ablasswesen, weil die Glaubenden sich dadurch ihres Heils zu Unrecht sicher wĂ€hnten. Es komme auf die innere Reue des Christen an, damit ihm Gott die SĂŒnden vergebe. Aus diesem Grund verfasste Luther seine 95 Thesen (Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum): Am 31. Oktober 1517 schrieb er im devoten Ton eines Bettelmönchs direkt an den Mainzer Erzbischof Albrecht. Er Ă€ußerte als Seelsorger seine Sorge ĂŒber MissverstĂ€ndnisse, die in der Bevölkerung ĂŒber den Ablass entstĂŒnden. Er nahm an, dass Tetzels Ablassinstruktion ohne Kenntnis und Zustimmung Albrechts verfasst worden sei. Dass hinter der Kampagne der Papst stand, wusste er ebenfalls nicht. Er unterschrieb als Doktor der Theologie und legte dem Brief die 95 Thesen bei.

Diese Thesen hatte Luther ursprĂŒnglich verfasst, um ein akademisches StreitgesprĂ€ch anzuregen. Das Dokument folgte dem Stil von Disputationsthesen, wie sie zu jener Zeit bei akademischen Promotionen ĂŒblich waren. Luther forderte darin, dass die bisherige Ablasspraxis abzuschaffen sei, da sie dem Evangelium widerspreche.cite-ref-50[50] Die Bequemlichkeit des Erwerbs von Ablassbriefen anstelle einer aufrichtigen Buße entspreche nicht der Berufung der GlĂ€ubigen, „Christus durch Leiden Tod und Hölle nachzufolgen“ und „durch viel TrĂŒbsal in den Himmel einzugehen.“cite-ref-51[51] Die Thesen verwerfen vor allem AblĂ€sse fĂŒr Verstorbene, die in der Ablasspraxis implizierte Gewalt des Papstes, die trĂŒgerische Heilsgewissheit der AblĂ€sse und die aus den AblĂ€ssen resultierende Bedeutungslosigkeit guter Werke. Damit stellte Luther das Ablasswesen fundamental in Frage, indem er an das neutestamentliche VerstĂ€ndnis der Buße als einer lebenslangen GlaubensĂŒbung anknĂŒpfte:cite-ref-82-52-0[52]cite-ref-5-53-0[53]

„1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus sprach 'Tut Buße' usw. [Mt 4,17], hat er gewollt, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sein soll. 2. Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament - d. h. von der Beichte und Genugtuung -, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.“

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Martin Luther

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These 1 & 2

Luther protestierte darin eher gegen die im Ablasswesen zum Ausdruck kommende verkehrte Bußgesinnung als gegen die vielfach von FĂŒrsten und BĂŒrgern abgelehnten Finanzpraktiken der römischen Kirche.cite-ref-54[54] Dabei griff er auch das Papsttum noch nicht an, sondern wĂ€hnte den gegenwĂ€rtigen Papst Leo X. rhetorisch sogar auf seiner Seite, da er noch davon ĂŒberzeugt war, ganz im Sinne der Kirche gegen schĂ€dliche MissbrĂ€uche vorzugehen:cite-ref-82-52-1[52]cite-ref-5-53-1[53]

„91. Wenn daher der Ablaß dem Geiste und der Auffassung des Papstes gemĂ€ĂŸ gepredigt wĂŒrde, lösten sich diese (EinwĂ€nde) alle ohne weiteres auf, ja es gĂ€be sie ĂŒberhaupt nicht.“

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Martin Luther

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These 91

Allerdings sah Luther die Aufgabe des Papstes nur in der FĂŒrbitte fĂŒr die GlĂ€ubigen und sprach ihm damit die SchlĂŒsselgewalt fĂŒr die Aufhebung jenseitiger SĂŒndenstrafen, die ihm die schultheologische Ablasslehre zusprach, ab.

Mit weiteren Briefen scheint sich Luther an die Bischöfe von Brandenburg, Merseburg, eventuell auch Zeitz, Lebus und Meißen gewandt zu haben.cite-ref-55[55] Um eine akademische Debatte anzuregen, sandte Luther die Thesen auch verschiedenen Gelehrten zu und erbat deren Meinung dazu, wie der erhaltene Brief an seinen Ordensbruder Johann Lange in Erfurt (11. November 1517) zeigt.cite-ref-56[56]

Dass Luther seine Thesen an die TĂŒr der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt habe, behauptete Philipp Melanchthon erst nach Luthers Tod; historisch ist dies zweifelhaft.cite-ref-0-57-0[57]cite-ref-58[58] Die Thesen wurden – entgegen der ursprĂŒnglichen Absicht Luthers – ins Deutsche ĂŒbersetzt und verbreiteten sich schnell. Im MĂ€rz 1518 gab Luther die auf Deutsch verfasste Schrift Sermon von dem Ablass und Gnade in den Druck, in der er seine Kritik am Ablass erlĂ€uterte. Damit erreichte er eine große Öffentlichkeit und wurde auf die Möglichkeit, seine Anliegen publizistisch zu verbreiten, aufmerksam.cite-ref-0-57-1[57] Im April 1518 nahm Luther am Ordenskapitel in Heidelberg teil. Am Rande der ordensinternen Verhandlungen fand am 26. April eine Disputation statt, die Luther Gelegenheit gab, seine Kritik nicht etwa am Ablass, sondern an der scholastischen Theologie vorzutragen. Ihrer Theologie des Ruhms (theologia gloriae) stellte er seine Theologie des Kreuzes (theologia crucis) gegenĂŒber. Ein Spitzensatz war die These, den freien Willen gebe es nur dem Namen nach und nicht wirklich (res de solo titulo, These 13).cite-ref-59[59] Unter den Zuhörern der „Heidelberger Disputation“ waren einige junge Theologen, die spĂ€ter zur „reformatorischen FĂŒhrungselite“ (Thomas Kaufmann) im SĂŒdwesten des Reichs gehörten:cite-ref-60[60] Martin Bucer, Johannes Brenz, Erhard Schnepf und Martin Frecht.cite-ref-0-57-2[57] Bucer stand im Zentrum der oberdeutschen Reformation,cite-ref-61[61] war (im Gegensatz zu Brenz, einem ParteigĂ€nger Luthers) ein selbstĂ€ndiger Theologe und hatte spĂ€ter einen prĂ€genden Einfluss auf Johannes Calvin.

Albrecht von Mainz beauftragte die UniversitĂ€t Mainz mit einem Gutachten zu Luthers Ablasskritik. Noch bevor dieses vorlag, sandte Albrecht Luthers Thesen am 13. Dezember an den pĂ€pstlichen Hof. Die EinkĂŒnfte aus dem Ablasshandel zu reduzieren, kam fĂŒr ihn nicht in Betracht; davon abgesehen, maß Albrecht der Luthersache zu diesem Zeitpunkt keine große Bedeutung zu.cite-ref-62[62]

Ketzerprozess gegen Luther

Die römische Kurie ordnete zunĂ€chst eine Voruntersuchung gegen Luther an, in deren Verlauf Silvester Mazzolini (genannt Prierias) ein nicht erhaltenes Gutachten schrieb, dessen Inhalt aus seiner Streitschrift De potestate papae dialogus erschlossen werden kann. Prierias stand in einer auf Juan de Torquemada zurĂŒckgehenden dominikanischen Schultradition, die vom Papst her konzipierte, was die Kirche ausmachte (Ekklesiologie). Luthers in den 95 Thesen sublim angebrachte Papstkritik war daher inakzeptabel; an der Übereinstimmung mit dem Papst entscheide sich, ob jemand HĂ€retiker sei oder nicht.cite-ref-63[63] Daraufhin wurde das Verfahren gegen Luther formal eröffnet, und dieser erhielt am 7. August 1518 die Vorladung nach Rom. Friedrich der Weise erreichte, dass das Verhör Luthers am Rande des Augsburger Reichstags durch Kardinal Cajetan durchgefĂŒhrt wurde (12. Oktober 1518). Cajetan war bereit, Luthers Widerruf entgegenzunehmen, aber Luther gelang es, ihn in eine Diskussion ĂŒber Papst und Kirche auf Grundlage der Bulle Unigenitus (von 1343) zu ziehen. Offenbar juristisch beraten, erklĂ€rte er am Folgetag, er sei sich nicht bewusst, gegen die pĂ€pstlichen Dekretalen gelehrt zu haben, und sei bereit, sich dem Urteil der Kirche zu unterwerfen. Eine solche protestatio machte es Cajetan juristisch unmöglich, ihn zu diesem Zeitpunkt als HĂ€retiker zu verurteilen (HĂ€retiker galten als unbelehrbar, und Luther hatte die Bereitschaft bekundet, Korrektur anzunehmen). ZurĂŒck in Wittenberg, veröffentlichte Luther seine Version des GesprĂ€chs mit Cajetan und die protestatio; er forderte damit die Gebildeten auf, sich selbst ihre Meinung in dieser Sache zu bilden.cite-ref-64[64]

Eine pĂ€pstliche Bulle vom 9. November 1518 entschied Fragen des Ablasses verbindlich, die bis dahin noch offen waren und ĂŒber die die Diskussion also freigestanden hatte. Aber aus politischen GrĂŒnden bremste die Kurie den Lutherprozess.cite-ref-65[65] Denn am 12. Januar 1519 war Kaiser Maximilian I. verstorben. Als Nachfolger kamen der Habsburger Karl I. von Spanien und Franz I. von Frankreich in Betracht; sowohl der Papst als auch der sĂ€chsische KurfĂŒrst unterstĂŒtzten Franz I. – letztlich vergebens, aber die gemeinsamen Interessen bei der Kaiserwahl veranlassten die Kurie, Luthers Prozess monatelang ruhen zu lassen.cite-ref-66[66] Unterdessen wuchs Luthers PopularitĂ€t weit ĂŒber Kursachsen hinaus.

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Leipziger Disputation

Wesentlichen Anteil daran hatte die Leipziger Disputation. Dieses akademische StreitgesprĂ€ch wurde von dem Wittenberger Theologen Andreas Bodenstein (genannt Karlstadt) angeregt, der damit auf die Kritik des IngolstĂ€dter Theologen Johannes Eck an Martin Luthers 95 Thesen reagierte. Nachdem sich Eck in der Vorbereitung der Disputation deutlich auf Luther statt auf Karlstadt bezogen hatte, strebte dieser seine nachtrĂ€gliche Zulassung als Disputator an. Das Zustandekommen der Disputation gegen WiderstĂ€nde der UniversitĂ€t Leipzig war der Initiative des Herzogs Georg von Sachsen zu verdanken, der damit das Ansehen seiner LandesuniversitĂ€t vermehren wollte.cite-ref-67[67] Karlstadt und Eck disputierten ĂŒber menschliche Willensfreiheit und göttliche Gnade. Eck und Luther disputierten ĂŒber die BegrĂŒndung des pĂ€pstlichen Primats aus göttlichem Recht, die von Eck verteidigt und von Luther in Frage gestellt wurde. Eck war mit seiner Strategie erfolgreich, eine Parallele zwischen den Ansichten Luthers und den Thesen des als Ketzer verbrannten böhmischen Theologen Jan Hus herzustellen. Luther erklĂ€rte, das Konzil habe geirrt. Damit war er aus Sicht von Eck der hussitischen Ketzerei ĂŒberfĂŒhrt.cite-ref-68[68] Eck wurde in Leipzig als Sieger gefeiert. Ein akademisches Urteil ĂŒber die Disputation durch die UniversitĂ€ten Erfurt und Paris wurde nicht gefĂ€llt. Die öffentliche Meinungsbildung, vor allem unter Humanisten, fiel zugunsten Luthers aus.cite-ref-69[69]

Entfaltung des reformatorischen Programms (1520)

Das Jahr 1520 stellt einen Höhepunkt der literarischen ProduktivitĂ€t Luthers dar. Die drei sogenannten „reformatorischen Hauptschriften“ dieses Jahres sind durch das Thema Freiheit verbunden.cite-ref-70[70] Der Prozess in Rom war nach der Kaiserwahl wieder aufgenommen worden, und Luther erwartete das Ketzerurteil. Vor diesem Hintergrund verfasste er eine publizistisch höchst erfolgreiche Schrift: An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung. Darin forderte er die weltliche Obrigkeit auf, angesichts der innerkirchlichen ReformunfĂ€higkeit die Kirchenreform selbst in die Hand zu nehmen. Er unterbreitete ein sozial-politisches Reformprogramm, das ein staatliches Bildungswesen, ArmenfĂŒrsorge sowie die Abschaffung von Zölibat und Kirchenstaat vorsah. In der Schrift formulierte er außerdem die Lehre vom Priestertum aller Getauften, mit der er die traditionelle Unterscheidung zwischen Klerikern und Laien abschaffen wollte.cite-ref-71[71] Den pĂ€pstlichen Anspruch, dass allein das pĂ€pstliche Lehramt zur verbindlichen Auslegung der Schrift befugt sei, lehnte Luther ab. DarĂŒber hinaus bediente er nationale GefĂŒhle, erklĂ€rte, die Deutschen mĂŒssten mehr leiden als alle anderen Nationen. Das konnte, besonders bei den Adressaten im Adel, als Aufforderung zur Schaffung einer deutschen Nationalkirche verstanden werden.cite-ref-72[72]

In der lateinisch verfassten zweiten Hauptschrift De captivitate Babylonica ecclesiae (Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche), die fĂŒr ein akademisches Publikum bestimmt war, schlug er einen Umbau der spĂ€tmittelalterlichen Sakramentenlehre vor. Unter Berufung auf die Schrift reduzierte er die vom Konzil von Lyon 1274 definierte Siebenzahl der Sakramente auf zwei: Taufe und Abendmahl. Die Buße ordnete er dem Grundsakrament Taufe zu.cite-ref-73[73]

In der dritten reformatorischen Hauptschrift Von der Freiheit eines Christenmenschen thematisiert Luther die evangelische Freiheit. Leicht verstĂ€ndlich geschrieben und mit bilderreicher Sprache ist hier ĂŒber den Kreis der Gelehrten hinaus ein lesekundiges, stĂ€dtisches Publikum angesprochen.cite-ref-74[74] In Anlehnung an die Zwei-Naturen-Lehre lebe ein Christ immer in zweifacher Hinsicht: Im Blick auf Gott (coram Deo) und im Blick auf die Welt (coram mundo). Im Blick auf Gott, der den SĂŒnder allein durch Gnade rechtfertigt, ist der Mensch von Werken frei. Im Blick auf die Welt hingegen muss sich der Glaube bewĂ€hren und in guten Werken manifestieren. Der Christ ist gleichzeitig gerechtfertigt, nĂ€mlich im Hinblick auf Gott, und SĂŒnder, nĂ€mlich im Hinblick auf die Welt (simul iustus et peccator). Hier klingt Luthers Zwei-Reiche-Lehre an. Danach existiert jeder Christ in zwei Bereichen („Regimentern“), dem weltlichen, in dem das „Gesetz des Schwertes“ gilt, und dem geistlichen, in dem das göttliche Wort gilt. Diese Konstruktion diente dazu, trotz des biblischen Liebesgebots Gewaltanwendung durch die Obrigkeit zur Wahrung des Friedens und der Ordnung zu legitimieren.

Kirchenbann und Wormser Reichstag

Die am 15. Juni 1520 ausgefertigte, am 24. Juli veröffentlichte Bulle Exsurge Domine ließ Luther 60 Tage Zeit zum Widerruf. Falls Luther diesen verweigerte, sollte der Kirchenbann ausgesprochen werden.cite-ref-75[75] Am 10. Oktober fand in Wittenberg eine von Johann Agricola organisierte und von Philipp Melanchthon angekĂŒndigte BĂŒcherverbrennung statt. Vor allem brannten die BĂŒcher des Kanonischen Rechts. Luther warf die Bannandrohungsbulle ins Feuer.cite-ref-76[76] Da Luther offenbar nicht widerrief, war die am 3. Januar 1521 ausgesprochene Exkommunikation (Bulle Decet Romanum Pontificem) folgerichtig. Nach dem Reichsrecht verfiel der Exkommunizierte der Reichsacht. Doch hatte Luthers Landesherr Friedrich der Weise bereits im Oktober 1520 von Kaiser Karl V. die Zusage erhalten, dass er Luther nicht ohne eigenes Verhör verurteilen werde.cite-ref-77[77] Luthers Reise zum Wormser Reichstag war von Sympathiekundgebungen begleitet. Der Reichstag war zweifellos nicht befugt, zu entscheiden, ob Luther HĂ€resien verkĂŒndete. „Mit den Mitteln des 
 weltlichen Rechts konnten nur gewissermaßen die Eckdaten der Verurteilung ĂŒberprĂŒft werden: ob Luther tatsĂ€chlich gesagt hatte, was ihm zur Last gelegt wurde, und, noch einmal, ob er bereit sei zu widerrufen.“cite-ref-78[78] Nach einem Tag Bedenkzeit bekannte er sich zu seinen Schriften. Indem er seine Pamphlete gegen den Papst mit den Qualen der von Rom misshandelten „ruhmreichen deutschen Nation“ begrĂŒndete, sprach er gezielt das auf dem Reichstag versammelte Publikum an. Denn die Gravamina der deutschen Nation waren dort Thema.cite-ref-79[79] Luther lehnte den Widerruf ab, solange er nicht durch die Heilige Schrift widerlegt sei. Ein persönliches und wohl spontan formuliertes Schlusswort endete mit dem Satz: „Gott helfe mir. Amen.“ Die fĂŒr das spĂ€tere Lutherbild prĂ€gende Erweiterung „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“ ist historisch nicht belegt.cite-ref-80[80] Auf dem Wormser Reichstag von 1521 flossen Gravamina- und lutherische Reformationsbewegung ineinander. Im Reichstagsabschied vom 30. April 1521 wurde die Reichsacht ĂŒber ihn verhĂ€ngt und Luther fĂŒr vogelfrei erklĂ€rt (Wormser Edikt). Da ihm der Kaiser freies Geleit zugesagt hatte, gewĂ€hrte man ihm 21 Tage Frist, wĂ€hrend deren er sich in Sicherheit bringen sollte. Der sĂ€chsische KurfĂŒrst ließ Luther auf der RĂŒckreise nach einem ScheinĂŒberfall auf die Wartburg bringen.cite-ref-81[81]

Luther auf der Wartburg

Von Mai 1521 bis MĂ€rz 1522 hielt sich Luther, als „Junker Jörg“ getarnt, auf der Wartburg auf. Er nutzte die Zeit intensiv fĂŒr literarische Arbeiten, die in Druck gingen, soweit es die kursĂ€chsische Diplomatie billigte.cite-ref-2-82-0[82] Er schrieb Reihen von Musterpredigten (Weihnachts- und Adventspostille). Viele Kleriker heirateten und waren dadurch Strafmaßnahmen ihrer Bischöfe ausgesetzt. Eine Welle von Klosteraustritten brachte auch seinen eigenen Wittenberger Konvent in eine schwere Krise. Luther versuchte, die Austrittsbewegung aus der Bibel zu begrĂŒnden. Diese brisante Schrift, De votis monasticis 
 iudicium („Gutachten 
 von den OrdensgelĂŒbden“), hielt der kurfĂŒrstliche Berater Georg Spalatin bis Februar 1522 zurĂŒck.cite-ref-83[83]

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Liste von Reformatoren mit monastischem Hintergrund

Luthers bedeutendste Leistung war die Übersetzung des Neuen Testaments aus dem von Erasmus herausgegebenen griechischen Urtext. Die zeitgenössischen BibelĂŒbersetzungen fußten auf der Vulgata, der lateinischen Übersetzung des griechischen Urtextes. Bei seiner Übersetzung bediente sich Luther einer volkstĂŒmlichen und verstĂ€ndlichen Sprache, die fĂŒr lange Zeit nicht nur zum Maßstab deutscher BibelĂŒbersetzungen wurde, sondern auch maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung einer standarddeutschen Hoch- und Schriftsprache hatte. Zahlreiche Wortschöpfungen Luthers sind bis heute Teil der deutschen Sprache: „Blutgeld“, „friedfertig“, „NĂ€chstenliebe“.cite-ref-84[84] Die erste Ausgabe des Neuen Testaments erschien im September 1522 („Septembertestament“).

Karlstadt und die Wittenberger Bewegung

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Wittenberger Bewegung

Auf der Leipziger Disputation waren die beiden Professoren Karlstadt und Luther gemeinsam als Verteidiger der Wittenberger Reformation gegen Eck angetreten. Aber dieses öffentlich stark wahrgenommene Ereignis zeigte auch kollegiale RivalitĂ€ten zwischen beiden. Karlstadt verfolgte nach der Disputation das fĂŒr ihn zentrale Thema der Rechtfertigung allein aus Gnade (sola gratia) weiter, verhielt sich aber betont papsttreu. Trotzdem setzte Eck im September 1520 seinen Namen neben den Luthers auf die Bannandrohungsbulle. Notgedrungen brach Karlstadt nun mit Rom und dadurch auch mit der Frömmigkeit, in der er aufgewachsen war (Trostbrief an die Mutter). Karlstadt hatte eine neue Übersetzung der gesamten Bibel ins Deutsche als Fernziel. Im August 1520 veröffentlichte er eine Einleitung ins Bibelstudium (De canonicis scripturis libellus), die stark an Hieronymus und Augustinus orientiert ist und Karlstadt als Humanisten zeigt. Er entschied sich, im Umfang des Alten Testaments dem jĂŒdischen Kanon zu folgen; das wurde im Protestantismus spĂ€ter weitgehend ĂŒbernommen.cite-ref-85[85]

WĂ€hrend sich Luther auf der Wartburg befand, stand er in Briefkontakt mit Melanchthon, nicht aber mit Karlstadt. Bis in den Dezember 1521 bestand zwischen diesen beiden ein gutes VerhĂ€ltnis. Das Abendmahl mit Laienkelch („unter beiderlei Gestalt“) wurde in der Wittenberger Stadtkirche am 29. September 1521 und danach mehrfach gefeiert, anscheinend im kleinen Kreis.cite-ref-86[86] Aber am Weihnachtstag leitete Karlstadt ohne liturgische GewĂ€nder eine Abendmahlsfeier in der ĂŒberfĂŒllten Stadtkirche. Die ganze Gemeinde war dadurch in neuartiger Weise in die Reformation involviert und verlor die vertraute Form der Messe, die „ihren religiösen Alltag stabilisiert hatte“.cite-ref-87[87]

Die Dynamik dieser VerĂ€nderungen, zusammen mit den vielen Klosteraustritten und Priesterehen, beunruhigten den Hof. Im Januar 1522 erarbeiteten Vertreter des Rats und der UniversitĂ€t eine neue Stadt- und Kirchenordnung, die soziale und religiöse Reformen verband. Außer Luther (der war auf der Wartburg) waren alle Wittenberger Reformatoren daran beteiligt, maßgeblich auch Melanchthon.cite-ref-88[88] Religiöse Bilder und Kruzifixe sollten gemĂ€ĂŸ dem Bilderverbot des Dekalogs aus Kirchen entfernt werden; das geschah im Februar in chaotischer Weise („Bildersturm“). Karlstadt hatte mit seiner Schrift Vom Abtun der Bilder (27. Januar 1522) daran erheblichen Anteil: Zwar war auch er fĂŒr ein geordnetes Vorgehen, aber er brandmarkte Christus- und Heiligenbilder sowie Kruzifixe als SĂŒnde wider das erste Gebot.cite-ref-89[89] Der bei der Stadt- und Kirchenordnung ĂŒbergangene KurfĂŒrst stoppte die Reformen; Karlstadt wurde durch Zensur weitgehend seiner Öffentlichkeitswirkung beraubt und zog bald darauf als Landpfarrer nach OrlamĂŒnde. Luther kehrte im MĂ€rz 1522 nach Wittenberg zurĂŒck. Dort hielt er im Habit des Augustiners und mit frisch geschnittener Tonsur eine Reihe von Predigten, in denen er die Wiederherstellung des alten Gottesdienstes zur „Schonung der Schwachen“ forderte (Invokavitpredigten).cite-ref-90[90]

Luther zog nun in das weitgehend leerstehende Augustinerkloster ein. Mit Melanchthon als Experten fĂŒr die griechische Sprache ging er die auf der Wartburg angefertigte Übersetzung des Neuen Testaments durch. An die UniversitĂ€t kehrte er, der GeĂ€chtete, zunĂ€chst nicht zurĂŒck. Er lebte in Sachsen nun zeitlebens unter dem Schutz des KurfĂŒrsten; dieses Territorium zu verlassen, war fĂŒr ihn nur noch selten möglich, wenn andere reformatorisch gesonnene FĂŒrsten seine Sicherheit garantieren konnten. Bei allen Reichstagen und ReligionsgesprĂ€chen, die folgten, konnte Luther nie mehr persönlich seine Standpunkte vertreten.cite-ref-2-82-1[82] Diese Rolle fiel nun Melanchthon zu, der aber gegenĂŒber Luther ein eigenes reformatorisches Profil hatte.

Huldrych Zwingli und die ZĂŒrcher Reformation

Huldrych Zwingli hatte sein Studium in Wien und Basel 1506 mit dem Grad des Magister artium abgeschlossen und im gleichen Jahr die Priesterweihe empfangen. Bis 1516 war er Pfarrer in Glarus, danach Seelsorger im Wallfahrtsort Einsiedeln. Seine erhaltene Privatbibliothek zeigt mit vielen Lesespuren die intensiven Studien, die Zwingli in dieser Zeit betrieb: pagane und christliche antike Autoren, Werke des Scotismus ebenso wie italienische Renaissancetheologie. Ein prĂ€gendes Erlebnis war 1515 eine persönliche Begegnung mit Erasmus von Rotterdam. Es veranlasste Zwingli, das Neue Testament und besonders die Briefe des Paulus von Tarsus im griechischen Original zu lesen. Als Kandidat humanistisch interessierter Chorherren wurde Zwingli Ende 1518 als Leutpriester des ZĂŒrcher GroßmĂŒnsters berufen.cite-ref-91[91] Am Neujahr 1519 trat er die Stelle an und fĂŒhrte die Neuerung ein, fortlaufend ĂŒber biblische BĂŒcher zu predigen anstatt nach der Perikopenordnung (lectio continua). Im Herbst des Jahres erkrankte er schwer an der Pest, was zu einer Lebenskrise fĂŒhrte. In dieser Zeit las er Lutherschriften; wie stark er dadurch als Reformator beeinflusst wurde, ist in der Forschung umstritten, zumal Zwingli selbst das seit 1516 betriebene Bibelstudium als grundlegend bezeichnete.cite-ref-referencea-92-0[92]cite-ref-93[93]

In der Fastenzeit 1522 ĂŒbertraten einige Zwingli nahestehende Laien wiederholt die kirchlichen Fastengebote, was zum Konflikt mit dem Bischof von Konstanz fĂŒhrte. FĂŒr diese Laien verfasste Zwingli seine erste reformatorische Schrift (Vom Erkiesen und Freiheit der Speisen), in denen er die kirchlichen Speisevorschriften als unbiblisch verwarf. Aufschlussreich ist der Vergleich mit Luthers Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen: Luther ging es um die innere Freiheit des individuellen Menschen, was den Wert von Fasten- und anderen kirchlichen Regeln relativierte. Zwinglis Adressat war nicht die Einzelperson, sondern die Gemeinde, und deshalb stellte sich anhand der Fastenregeln fĂŒr ihn die Frage, ob sie Gottes Gebot oder menschliche Satzung seien.cite-ref-94[94]

Zur KlĂ€rung der Problematik berief der Rat der Stadt eine Disputation ein, fĂŒr die Zwingli 67 Schlussreden als Grundlage verfasst hatte. Die Ausschreibung ließ eine Art „allgemeines Palaver“ (Bernd Moeller) erwarten; mit der Eröffnungsrede machte BĂŒrgermeister Markus Röist klar, dass die Richtigkeit von Zwinglis Lehre Thema sein sollte. Die davon ĂŒberraschten vier Delegierten des Konstanzer Bischofs entschieden sich, zu bleiben und protestierend zu schweigen; das hielten sie aber nicht durch. Wenn niemand etwas gegen Zwingli vorbringe, mĂŒsse er ja recht haben, hieß es aus dem Publikum. Daraufhin ergriff der Generalvikar Johann Fabri das Wort, aber nun disputierte er zu den vom Rat festgelegten Regeln: Er musste alle seine Argumente aus der Bibel nehmen. Damit kam er ĂŒberhaupt nicht zurecht. Zwingli hatte vor großem Publikum einen eindeutigen Sieg errungen.cite-ref-95[95] Die Erste ZĂŒrcher Disputation war ein neuartiges, vielfach kopiertes Forum zum Austrag von Religionsstreitigkeiten; dass Zwinglis Lehre durch seinen Sieg in der Disputation als schriftgemĂ€ĂŸ erwiesen wurde, „begrĂŒndete seinen Ruhm als maßgeblichem ReprĂ€sentanten der ersten gelungenen Stadtreformation.“cite-ref-3-96-0[96] (Thomas Kaufmann)

Aus der BĂŒrgergemeinde kamen weitere Reformimpulse: Verweigerung des Zehnt, Entfernung religiöser Bilder aus Kirchen, Kritik an der Messe. Der Rat der Stadt verstand sich als die AutoritĂ€t, die diese Fragen zu entscheiden habe, und berief 1523 die Zweite ZĂŒrcher Disputation ein. Hier fiel die Entscheidung zur Umgestaltung der Kirchenordnung. Heinrich Bullinger zufolge kamen rund 900 Besucher, darunter viele Gelehrte.cite-ref-97[97] FĂŒr Zwingli ist kennzeichnend, dass er den Rat als AutoritĂ€t in Kirchenfragen akzeptierte und mit ihm kooperierte – von diesen Voraussetzungen her war die TĂ€uferbewegung fĂŒr Zwingli inakzeptabel.cite-ref-3-96-1[96] In einem zweijĂ€hrigen Reformprozess wurden alle Bilder aus den Kirchen entfernt, Stifte und Klöster aufgehoben und die Messe in Stadt und Land abgeschafft. Zugleich brach ZĂŒrich den Kontakt zum Bischof von Konstanz ab. Durch die Reformen waren Gelder freigeworden, die in die stĂ€dtische ArmenfĂŒrsorge flossen. Da die kirchliche Ehegerichtsbarkeit obsolet war, nahm in ZĂŒrich ein stĂ€dtisches Ehegericht diese Aufgabe wahr. Eine weitere Neuerung war eine AusbildungsstĂ€tte fĂŒr Pfarrer (Prophezei); hier erarbeitete Zwingli mit einem Kreis von Gelehrten eine deutsche BibelĂŒbersetzung (ZĂŒrcher Bibel).cite-ref-referencea-92-1[92]

FrĂŒhe TĂ€ufergemeinden

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Hauptartikel

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Radikale Reformation

Je enger Zwingli mit dem ZĂŒrcher Rat kooperierte, desto mehr distanzierten sich einige seiner anfĂ€nglichen WeggefĂ€hrten von ihm. Diese Gruppe um Konrad Grebel drĂ€ngte auf umfassende Reformen nach biblischem Vorbild. Die SĂ€uglingstaufe galt als unbiblisch. LĂ€ngere Zeit schien es so, als teile Zwingli diese Positionen; im Mai 1523 soll er im GesprĂ€ch mit Balthasar Hubmaier vorgeschlagen haben, keine SĂ€uglinge zu taufen, sondern Ă€ltere Kinder nach entsprechender Unterweisung. Aber die im Sommer 1523 erlassene ZĂŒrcher Taufordnung war in dieser Hinsicht enttĂ€uschend – weitgehend der alte Ritus in deutscher Sprache.cite-ref-98[98] Im FrĂŒhjahr 1524 erfuhr der ZĂŒrcher Rat davon, dass die Dorfpfarrer Wilhelm Reublin (Witikon) und Johannes Brötli (Zollikon) zwar auf Wunsch SĂ€uglinge tauften, aber den Eltern nahelegten, die Kinder erst in einem verstĂ€ndigen Alter zur Taufe zu bringen. Um dies zu unterbinden, erließ der Rat einen Taufzwang. Mit einer scharfen Schrift distanzierte sich Zwingli im Dezember 1524 eindeutig von dem Kreis um Grebel. Felix Manz schlug ihm eine schriftliche Erörterung der Kindertaufe vor, da er sich dem erfahrenen und beliebten Disputator Zwingli nicht gewachsen fĂŒhlte. Genau dieses Rededuell setzte der Rat fĂŒr den 17. Januar 1525 an; erwartungsgemĂ€ĂŸ erklĂ€rte der Rat Zwingli zum Sieger. Den ZĂŒrchern Grebel und Manz wurde verboten, weiter Unruhe zu stiften, die ĂŒbrigen Mitglieder ihres Kreises hatten kein BĂŒrgerrecht und wurden ausgewiesen. Die Gruppe traf sich am 21. Januar abends im Haus von Manz. Jörg Blaurock, ein ehemaliger GraubĂŒndner Mönch und neu in der Gruppe, bat Grebel spontan, ihn zu taufen. Andere schlossen sich an: Grebel vollzog die ersten Bekenntnistaufen, die kurz vor der Ausweisung aus ZĂŒrich auch als eine missionarische Beauftragung verstĂ€ndlich sind. „So sehr das TĂ€ufertum in einzelnen theologischen Motiven auch in die gĂ€renden Formierungsprozesse der frĂŒhreformatorischen Bewegung zurĂŒckreichte – zu einem soziologischen PhĂ€nomen wurde es erst durch die rituellen VollzĂŒge am 21. Januar 1525, die eine neuartige religiöse Vergesellschaftungsdynamik freisetzten,“ so Thomas Kaufmann.cite-ref-99[99] Hans-JĂŒrgen Goertz betont, dass dies nicht die GrĂŒndung einer Freikirche war; die Gruppe habe „lediglich die Absicht bekundet, dem Wort Gottes im Erfahrungsraum des «gemeinen Mannes» bzw. des Bauernkriegs zu folgen.“cite-ref-100[100]

Kurz darauf trafen sich Mitglieder des Grebel-Kreises in einem Bauernhaus bei Zollikon zu einer Mahlfeier. Jörg Blaurock teilte Brot aus und schenkte Wein in einfachen TrinkgefĂ€ĂŸen aus. Es war die Art von Abendmahlsfeier, die bei der Zweiten ZĂŒrcher Disputation fĂŒr richtig erkannt worden war, deren EinfĂŒhrung aber vom Rat zunĂ€chst nicht genehmigt wurde. Die Bewegung breitete sich aus dem ZĂŒrcher Land in die Kantone Appenzell und St. Gallen aus, es gibt Querverbindungen zu den BauernaufstĂ€nden.cite-ref-101[101] Am 6. MĂ€rz 1526 stellte der ZĂŒrcher Rat die Wiedertaufe unter Todesstrafe. Am 5. Januar 1527 wurde Felix Manz durch ErtrĂ€nken in der Limmat hingerichtet.

Evangelische KirchentĂŒmer und konfessionelle Lagerbildung

Reformatorische Ideen und erste evangelische Gottesdienste fanden zuerst in StĂ€dten Verbreitung, getragen vor allem vom einheimischen BĂŒrgertum und einigen Adligen.cite-ref-102[102]

Auf dem Reichstag zu Speyer 1526 (Speyer I) war das Wormser Edikt teilweise revidiert worden, indem die AusfĂŒhrung den ReichsstĂ€nden ĂŒberlassen wurde. Demnach konnte es jeder FĂŒrst mit der Religion so halten, wie er es vor Kaiser und Gott verantworten könne. Die FĂŒrsten interpretierten dies als Erlaubnis, die Reformation in einer institutionalisierten Form, als FĂŒrstenreformation, einzufĂŒhren.cite-ref-4-103-0[103] „Diese Bestimmung 
 machte in folgenreicher Weise den beginnenden kirchlichen Pluralismus in Deutschland am Partikularismus der ReichsstĂ€nde fest.“cite-ref-104[104]

Im Herzogtum Preußen wurde 1525 als erstem Territorialgebiet die Reformation eingefĂŒhrt (siehe Mandat vom 6. Juli 1525).cite-ref-105[105] Im Reich folgten unter anderen das FĂŒrstentum Anhalt-Köthen, das FĂŒrstentum Ansbach, das FĂŒrstentum Bayreuth und die Reichsstadt NĂŒrnberg (1524/25).cite-ref-106[106]

Unter den Großterritorien des Reiches wurde die Landgrafschaft Hessen 1526/27 nach der Homberger Synode protestantisch.cite-ref-107[107] Im KurfĂŒrstentum Sachsen fĂŒhrte der ab 1525 regierende Herzog Johann der BestĂ€ndige Änderungen ein, die zur Organisation eines evangelischen Kirchenwesens fĂŒhrten. Über die Visitationen waren Martin Luther und Philipp Melanchthon daran beteiligt.cite-ref-108[108]

Auf dem Reichstag zu Speyer im Februar–April 1529 (Speyer II) spiegelte sich die durch außenpolitische Erfolge gestĂ€rkte Position des Kaisers. Sein Bruder Ferdinand von Österreich, der ihn im Reich vertrat, wollte die kirchliche und politische Geschlossenheit des Reichs wiederherstellen und trat schroff antireformatorisch auf. Mittlerweile in einigen Territorien durchgefĂŒhrte Reformen, die nicht so einfach rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden konnten, sollten vorlĂ€ufig Bestand haben, aber alle weiteren Reformschritte waren verboten. Davon waren Maßnahmen betroffen, die fĂŒr die innere Konsolidierung der neuen evangelischen KirchentĂŒmer wichtig waren. Die Minderheit, sechs FĂŒrstencite-ref-109[109] und vierzehn Freie ReichsstĂ€dtecite-ref-110[110], legte am 19./20. April mĂŒndlich und schriftlich Protest ein mit einer Kombination von juristischer Argumentation und Berufung auf ihr im Glauben gebundenes Gewissen. Nach dieser sogenannten Protestation von Speyer ist der Protestantismus benannt; die Protestation zeigt, wie die ĂŒberregionale konfessionelle IdentitĂ€tsbildung voranschritt.cite-ref-4-103-1[103]cite-ref-111[111] Die protestantische Minderheit der ReichsstĂ€nde brauchte eine Rechtstheorie, die ihr gegebenenfalls erlaubte, dem Kaiser Widerstand zu leisten. Dazu wurde das Reich als stĂ€ndische Aristokratie definiert. Die ReichsstĂ€nde hatten den Kaiser gewĂ€hlt und waren berechtigt, einerseits die Konfession ihrer Untertanen zu bestimmen, andererseits ihre konfessionelle Option gegen den Kaiser zu behaupten.cite-ref-112[112]

Schmalkaldischer Bund und lutherische Konfessionalisierung

„Mit der PrĂ€senz auf dem Reichstag in Speyer beginnt Melanchthons Verwendung als kursĂ€chsischer Delegierter“.cite-ref-113[113] Denn Luther konnte als GeĂ€chteter an den Verhandlungen nicht teilnehmen. Ab dem 2. Mai 1530 war Melanchthon auf dem Augsburger Reichstag und erarbeitete dort die Confessio Augustana. Er stand in Briefkontakt mit Luther, der auf der Veste Coburg, noch auf kursĂ€chsischem Territorium, zurĂŒckbleiben musste.cite-ref-114[114] Melanchthon sah die Zwinglianer mit ihrem symbolischen AbendmahlsverstĂ€ndnis als den Hauptgegner und war deshalb zu einem Zusammenschluss mit der altglĂ€ubigen Seite bereit. AusschĂŒsse suchten vom 16. bis 28. August Kompromisslösungen; Melanchthon hatte so viel politische Macht wie nie mehr in seinem Leben, aber sein Kommunikationsverhalten und seine psychosomatischen Probleme trugen wesentlich zu dem negativen Melanchthonbild der Nachwelt bei.cite-ref-115[115] Nach Augsburg wurde Melanchthon als fĂŒhrender Wittenberger Theologe wahrgenommen, was bei ihm zu einer grĂ¶ĂŸeren SelbstĂ€ndigkeit gegenĂŒber Luther fĂŒhrte.cite-ref-116[116] Er sorgte dafĂŒr, dass die von Luther verfassten Schmalkaldischen Artikel auf dem Schmalkaldischen Bundestag 1537 wirkungslos blieben, denn er wusste, dass Luthers Formulierungen in den Artikeln fĂŒr die Vertreter der oberdeutschen ReichsstĂ€dte inakzeptabel waren. Das Glaubensbekenntnis des Bundes war die Confessio Augustana, erweitert um einen Traktat ĂŒber die Macht und den Primat des Papstes mit einer Abhandlung ĂŒber die Jurisdiktionsgewalt der Bischöfe, Texte, die Melanchthon im Februar 1537 im Auftrag des Bundes verfasste.cite-ref-117[117]

In den 1530er und 1540er Jahren wuchs das politische Gewicht des Protestantismus im Reich, denn wichtige Territorien schlossen sich der Reformation an:

‱ 1534 kehrte der 1519 vertriebene Herzog Ulrich von WĂŒrttemberg in sein Land zurĂŒck und beauftragte Johannes Brenz und Ambrosius Blarer mit der DurchfĂŒhrung der Reformation in WĂŒrttemberg.cite-ref-118[118] Dass WĂŒrttemberg, ein FlĂ€chenstaat, sich der Reformation anschloss, beendete die prekĂ€re Isolation der oberdeutschen ReichsstĂ€dte.
‱ Der Landtag zu Treptow beschloss am 13. Dezember 1534 die EinfĂŒhrung der Reformation im Herzogtum Pommern.cite-ref-119[119]
‱ KurfĂŒrst Joachim I., ein entschiedener Gegner der Reformation, hatte die Mark Brandenburg testamentarisch unter seinen zwei Söhnen aufgeteilt. Markgraf Johann von KĂŒstrin fĂŒhrte 1535 umgehend die Reformation in Brandenburg-KĂŒstrin durch. Sein Ă€lterer Bruder, der KurfĂŒrst Joachim II., wartete bis Ende 1539 ab. Die dann in seinem KurfĂŒrstentum in Kraft getretene Kirchenordnung war betont konservativ, wurde aber von Luther und Melanchthon gebilligt.cite-ref-120[120]

Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther und hinterließ ein AutoritĂ€tsvakuum. Im Sommer 1546 begann der Schmalkaldische Krieg, der mit einer katastrophalen Niederlage der Protestanten in der Schlacht bei MĂŒhlberg (24. April 1547) endete. In Kursachsen, dem Kernland der Wittenberger Reformation, herrschte nun Moritz von Sachsen, der einerseits das vom Kaiser diktierte Augsburger Interim nicht annehmen wollte, andererseits aber den Kaiser nicht brĂŒskieren konnte. In die Suche nach einer Kompromisslösung war Melanchthon fĂŒhrend eingebunden. Um Predigt und Abendmahl in den Gemeinden ĂŒberhaupt fortsetzen zu können, war er bereit, in Äußerlichkeiten (Adiaphora) zur altglĂ€ubigen Praxis zurĂŒckzukehren.cite-ref-121[121] Aus diesen Vorarbeiten entstand eine evangelische Kirchenordnung, die Leipziger Artikel, die mit Kurbrandenburg abgestimmt und danach dem 1548/49 tagenden Leipziger Landtag vorgelegt, von diesem allerdings nicht angenommen wurden.

Im geĂ€chteten Magdeburg sammelten sich dagegen die Lutheraner, die zum Widerstand gegen das Interim bereit waren. Diese Gruppe um Matthias Flacius Illyricus vertrat die Position: „Wenn es um das Bekenntnis geht und Anstoß erregt wĂŒrde, gibt es keine nebensĂ€chlichen Äußerlichkeiten (Nihil est adiaphoron in casu confessionis et scandali).“ Flacius, ein ehemaliger MelanchthonschĂŒler, war nirgendwo in kirchenpolitischer Verantwortung und musste insofern keine RĂŒcksichten nehmen.cite-ref-122[122] Magdeburg wurde zum Zentrum einer lebhaften PublikationstĂ€tigkeit. Viele Autoren meinten, in der Endzeit zu leben: Es ging um alles oder nichts, und die Papstkirche wurde als Macht des Bösen angesehen (Belial, Antichrist). Nun kam ein Transformationsprozess in Gang; aus der relativ offenen, vielfĂ€ltigen Wittenberger Reformation wurde das konfessionelle Luthertum. Das geschah mit den Mitteln der damaligen Streitkultur. Die neuere Forschung unterscheidet acht „Streitkreise“, d. h. Gruppen von Schriften und Gegenschriften zu einem gemeinsamen Thema. Wenn man die Akteure, wie es ĂŒblich ist, in zwei „Lager“ einteilt – hier Luthers Erben (Gnesiolutheraner), dort Melanchthon und seine SchĂŒler (Philippisten) –, so vereinfacht man damit die unĂŒbersichtliche Gemengelage. Im Osiandrischen Streit verteidigte sogar Flacius Melanchthons Rechtfertigungslehre, und den Antinomistischen Streit trugen die Gnesiolutheraner weitgehend unter sich aus.cite-ref-123[123]

„Linker FlĂŒgel der Reformation“ / Radikale Reformation

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Hauptartikel

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Radikale Reformation

Zum einen gehörten zu diesem linken FlĂŒgel die radikalen Reformatoren, fĂŒr die hier stellvertretend Thomas MĂŒntzer, der große Gegenspieler Martin Luthers, genannt werden soll. Ihre zentralen Anliegen waren die radikale Reform der Kirche und im Falle Thomas MĂŒntzers auch die (biblisch begrĂŒndete) revolutionĂ€re UmwĂ€lzung der politischen und sozialen VerhĂ€ltnisse. Hier lagen auch die Wurzeln des Deutschen Bauernkriegs 1524–1526. Dabei kam es auch in ThĂŒringen zur GrĂŒndung des Ewigen Rates, der die politischen und sozialen Forderungen der Bauern durchsetzen sollte.

Die MĂŒnsteraner TĂ€ufer zeichneten sich durch einen enthusiastischen und auch gewaltbereiten Chiliasmus aus, der durch die erlittenen Verfolgungen entfacht worden war. Nachdem die reformatorisch-tĂ€uferische Partei 1534 die politische Mehrheit im MĂŒnsteraner Rat erlangt hatte, wurde die Stadt unter Bischof Franz von Waldeck mit einem Belagerungsring grĂ¶ĂŸtenteils eingekesselt. In Folge radikalisierten sich die MĂŒnsteraner TĂ€ufer zunehmend, die Entwicklung gipfelte in der Etablierung eines „Königreichs von MĂŒnster“ und schließlich der StĂŒrmung der Stadt im Sommer 1535. Ihre FĂŒhrer sahen sich als die entscheidenden Werkzeuge und Wegebahner eines hereinbrechenden Reiches Gottes.

Eine vierte Gruppe innerhalb des „linken FlĂŒgels der Reformation“ bildeten die Spiritualisten, die von ihren Gegnern als SchwĂ€rmer bezeichnet wurden. Sie waren mit der TĂ€uferbewegung eng verwandt und gingen zum Teil aus ihr hervor. Sie vertraten einen stark verinnerlichten Glauben. Ihr Ziel war es nicht in erster Linie, eine sichtbare und verfasste Kirche zu bilden. Sie legten auch auf die Ă€ußeren Zeichen bzw. Sakramente wie Abendmahl und Taufe keinen großen Wert. Zu ihren bedeutenden Vertretern gehörten Sebastian Franck und Kaspar Schwenckfeld. Noch heute gibt es Schwenkfeldianer in Nordamerika.

Eine weitere Gruppe der Radikalen Reformation waren die reformatorischen Antitrinitarier fĂŒr die stellvertretend Michael Servet genannt werden kann. Auch hier gab es teilweise Überschneidungen mit der TĂ€uferbewegung wie im Falle Adam Pastors und der Polnischen BrĂŒder in Polen-Litauen. In SiebenbĂŒrgen besteht bis heute die aus der Reformation hervorgegangene Unitarische Kirche.

Sowohl die katholischen als auch die lutherischen und reformierten Obrigkeiten verfolgten die genannten Gruppen mit großer HĂ€rte – ohne Ansehen ihrer unterschiedlichen Zielsetzungen und Lehren. In vielen LĂ€ndern mussten die TĂ€ufer unter ZurĂŒcklassung ihrer Habe das Land verlassen, in anderen FĂŒrstentĂŒmern wurden sie wegen ihrer Überzeugungen gefangen gesetzt und gefoltert und im Extremfall sogar als Ketzer verbrannt oder ertrĂ€nkt.

Siehe auch

:

MĂ€rtyrer der TĂ€uferbewegung

Zweite Reformation

Johannes Calvin und die Genfer Reformation

Der 1509 im französischen Noyon geborene Johannes Calvin war eine Generation jĂŒnger als Luther (* 1483) und Zwingli (* 1484). Er studierte auf Wunsch des Vaters, eines Kirchenjuristen, Jura in OrlĂ©ans und Bourges.cite-ref-124[124] Calvin hatte humanistische Interessen, wozu auch das Studium des Neuen Testaments auf Griechisch gehörte. Nach dem Tod des Vaters 1531 verfolgte Calvin die juristische Laufbahn nicht weiter, sondern zog nach Paris, wo er Griechisch und (wahrscheinlich) HebrĂ€isch studierte und in humanistischen Kreisen verkehrte.cite-ref-125[125] Auseinandersetzungen zwischen reformhumanistischen und konservativen Akteuren fĂŒhrten dazu, dass Calvin 1533 vor seiner Verhaftung untertauchen musste und zunĂ€chst in AngoulĂȘme im Königreich Navarra ein sicheres Quartier fand.cite-ref-126[126] Hier konnte er eine Bibliothek zum Studium der KirchenvĂ€ter nutzen; es entstanden Vorarbeiten fĂŒr sein spĂ€teres Hauptwerk, die Institutio Christianae Religionis. Die Protestantenverfolgungen infolge der PlakataffĂ€re fĂŒhrten dazu, dass auch AngoulĂȘme nicht mehr sicher war. Calvin floh nach Basel, wo er wahrscheinlich Anfang 1535 eintraf und zunĂ€chst im Untergrund lebte. Die Hinrichtungen in Frankreich veranlassten Calvin im August 1535, öffentlich fĂŒr die Opfer Partei zu ergreifen. Er schrieb einen Brief an den französischen König, in dem er die französischen Protestanten gegen VorwĂŒrfe verteidigte.cite-ref-127[127] Im MĂ€rz 1536 erschien in Basel die Erstfassung der Institutio im Druck, eine knappe protestantische Dogmatik. Das Werk machte ihren Verfasser bekannt. So kam es, dass Calvin auf der Durchreise in Genf von Guillaume Farel angesprochen wurde. Farel gewann Calvin dafĂŒr, an der DurchfĂŒhrung der Reformation in Genf mitzuwirken. Ende 1536 erhielt Calvin vom Genfer Rat die Stelle eines Lektors. Seiner Ausbildung nach Jurist, hielt er fortan biblische VortrĂ€ge und leitete bald auch Gottesdienste.cite-ref-128[128] Farel und Calvin scheiterten in Genf mit ihrem Anspruch, Gemeindeglieder als Disziplinarmaßnahme vom Abendmahl ausschließen zu dĂŒrfen (Exkommunikation). Am 23. April 1538 wurden sie aus der Stadt gewiesen.

Calvin ging nach Straßburg und wurde Pastor der französischen FlĂŒchtlingsgemeinde. Er erhielt eine Professur fĂŒr Theologie an der Hohen Schule von Straßburg und wurde in dieser Phase theologisch von Martin Bucer, dem Reformator Straßburgs, beeinflusst.cite-ref-129[129] 1539 reiste er mit der Straßburger Delegation zum Frankfurter Konvent, um Melanchthon kennenzulernen. Der Genfer Rat lud Calvin ein, zurĂŒckzukommen, wozu dieser nur gegen Zusicherungen (Kirchenordnung, Katechismus, Kirchenzucht) bereit war. Calvins großes Interesse an Kirchenzucht ist nicht die Forderung nach Askese: „Gott hatte in seiner vĂ€terlichen GroßzĂŒgigkeit den Menschen auch Quellen des Genusses geschenkt; sie zu verschmĂ€hen, hieß den Willen des Schöpfers zu missachten. 
 Doch eben in Maßen und das hieß: in streng geordneten Bahnen. Was sie verließ, war Exzess und Anstoß.“cite-ref-130[130] Seit seiner RĂŒckkehr nach Genf im September 1541 ĂŒbte Calvin einen starken Einfluss auf die dortige Bevölkerung aus. Dem Stadtrat gehörte er als Exilfranzose nicht an und erhielt auch erst spĂ€t das BĂŒrgerrecht.cite-ref-131[131] Aber kraft seiner juristischen Bildung wurde er zum Berater der Stadtregierung. Er formte die Pastorenschaft (Compagnie des pasteurs) zu einer Solidargemeinschaft, die jedes seiner Anliegen mittrug.cite-ref-132[132] Im Konsistorium stellten die Pastoren die HĂ€lfte der Mitglieder, die andere HĂ€lfte waren Älteste, die von der Stadtregierung gewĂ€hlt wurden. Die Liste des Fehlverhaltens, die zu einer Anzeige beim Konsistorium fĂŒhren konnte, ist lang: Katholische Glaubenspraxis, familiĂ€re und Ehekonflikte, Spiel und Tanz, Wirtschaftsvergehen usw. Wenn Ermahnung nicht wirkte, erfolgte der Ausschluss vom Abendmahl, damit auch vom gesellschaftlichen Leben der Stadt. Dagegen gab es keine Appellationsinstanz. Gegen Calvin und die Compagnie des pasteurs formierte sich Widerstand, gerade im Genfer Patriziat. Aber die Opposition fand nie zu einem effektiven Vorgehen. Der starke Zuzug verfolgter Hugenotten verĂ€nderte die Bevölkerungsstruktur. Durch EinbĂŒrgerungen, die mit dem aktiven Wahlrecht verbunden waren, sicherte sich die calvin-freundliche Ratsfraktion 1555 eine treue WĂ€hlerschaft. Spontane Unruhen gaben ihnen das Mittel an die Hand, die Calvin-Kritiker wegen Landesverrat vor Gericht zu stellen. Die Opposition wurde zerschlagen, ihre FĂŒhrer teils hingerichtet, teils ausgewiesen. Mit dem Geld aus ihren eingezogenen GrundstĂŒcken grĂŒndete der Stadtrat die AcadĂ©mie de Geneve, in der vor allem angehende Pastoren der französischen Hugenottengemeinden ausgebildet wurden.cite-ref-133[133] 1559 stellte Calvin die mehrfach umgearbeitete Institutio fertig. Ein Schwerpunkt in diesem Werk ist die Christologie; hier entwickelte Calvin unter anderem das Konzept, dass die Gemeinde an den drei Ämtern Christi als Priester, König und Prophet Anteil habe.cite-ref-134[134] In der Abendmahlsfrage versuchte Calvin, zwischen Wittenberger Realismus und ZĂŒrcher Symbolismus konsensfĂ€hige neue Formulierungen zu finden: Der Heilige Geist ist das Band (vinculum participationis), das die GlĂ€ubigen mit Leib und Blut Christi verbindet und zum mystischen Leib Christi macht.cite-ref-135[135] Die doppelte PrĂ€destination ist in Calvins Theologie ein Nebenthema, allerdings eines, an dem Calvin viel lag und woran er trotz Bedenken seiner AnhĂ€nger festhielt: In seinem ewigen Ratschluss (decretum aeternum) legte Gott bereits vor der Erschaffung der Welt fest, ob der einzelne Mensch erwĂ€hlt oder verworfen sein wĂŒrde. Die abgemilderte Position, dass Gott vielleicht nur zugelassen habe, dass Menschen verloren gehen, ließ Calvin nicht gelten:

„Es ist zwar ein furchtbarer Ratschluß (decretum horribile), das gebe ich zu; aber dennoch wird niemand leugnen können, daß Gott, bevor er den Menschen erschuf, zuvor gewußt hat, welchen Ausgang er nehmen wĂŒrde, und daß er dies eben darum vorauswußte, weil er es in seinem Ratschluß so bestimmt hatte!“

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Johannes Calvin

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Institutio Christianae Religionis

3.23.7

John Knox und die Reformation in Schottland

Patrick Hamilton studierte 1523 Theologie in St. Andrews und interessierte sich fĂŒr Schriften Luthers. 1527 reiste er nach Wittenberg und anschließend nach Marburg, wo er ein Werk zur reformatorischen Rechtfertigungslehre verfasste (Loci communes). ZurĂŒck in Schottland, wurde er vom Erzbischof von St. Andrews wegen HĂ€resie angeklagt und am 29. Februar 1528 als Ketzer verbrannt.cite-ref-136[136] König Jakob V. bekĂ€mpfte alle protestantischen Bestrebungen, gerade auch nach der englischen Reformation von 1531. John Knox, der Geistlicher der AufstĂ€ndischen in der Bischofsburg von St. Andrews war, wurde zusammen mit diesen 1547 gefangen genommen und zu Galeerenstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung kam er 1549 nach England und wurde Pastor in Berwick-upon-Tweed, dann in Newcastle-upon-Tyne, schließlich wurde er Hofkaplan; höhere kirchliche Ämter lehnte er ab. Knox machte in der englischen Kirche gerade deshalb Karriere, weil er geweihter Priester war, obwohl das fĂŒr ihn persönlich unwichtig war.cite-ref-137[137]

Maria I. versuchte nach ihrer Thronbesteigung 1553, den Katholizismus in England als Staatsreligion zu etablieren. Knox floh wie viele andere nach Kontinentaleuropa (Marianische Exulanten) und war zeitweise Prediger der englischen FlĂŒchtlingsgemeinde in Frankfurt am Main. Konflikte in dieser Gemeinde hatten Knox’ Ausweisung zur Folge; er kam 1555 nach Genf und erlebte mit, wie dort die calvin-kritische Opposition zerschlagen wurde. Diese politischen SĂ€uberungen und die danach etablierte Ordnung beeindruckten Knox; er bezeichnete sie als „vollkommenste Schule Christi auf Erden seit den Tagen der Apostel.“cite-ref-138[138] Er war Pfarrer der englischen Genfer FlĂŒchtlingsgemeinde und wurde theologisch durch Calvin geprĂ€gt. Im Mai 1559 kehrte er nach Schottland zurĂŒck und war an der Entmachtung der Regentin Marie de Guise mit Hilfe englischer Truppen beteiligt. Er wurde zum Pfarrer der St Giles’ Cathedral in Edinburgh gewĂ€hlt. WĂ€hrend der instabilen Herrschaft von Maria Stuart gehörte Knox zu den ausgesprochenen Gegnern der Königin und arbeitete am Aufbau einer protestantischen Infrastruktur in Schottland. Mit der Confessio Scotica von 1560 fĂŒhrte das schottische Parlament die Reformation ein; die Bekenntnisschrift trĂ€gt die theologische Handschrift Knox’. Ian Hazlett charakterisiert diesen Text als eine ungewöhnliche Mischung von evangelischem Aktivismus und dogmatischer Apologetik.cite-ref-139[139] Die Confessio Scotica erklĂ€rt Widerstand gegen eine ungerechte Obrigkeit (Tyrannidem opprimere) zu einem von Gott gebotenen guten Werk.cite-ref-140[140]

Im Juli 1567 wurde der unmĂŒndige Thronfolger Jakob VI. gekrönt; John Knox hielt die Predigt.

Das Book of Discipline, neben der Confessio Scotica und dem liturgischen Werk Book of Common Order eines der GrĂŒndungsdokumente der schottischen Kirche, war insgesamt von Calvin geprĂ€gt, sah aber Bischöfe (Superintendenten) nach lutherischem Vorbild vor. In dieser Hinsicht war Knox kein konsequenter Presbyterianer. Die schottischen Bischöfe wurden vom Herrscherhaus eingesetzt und hatten oft mehr Macht als das Gremium der KirchenĂ€ltesten (Presbyterium). „Ironischerweise sorgten in Schottland 
 dem Episkopat anhĂ€ngende Calvinisten 1616 fĂŒr die kirchliche Annahme der Lehrartikel ĂŒber die doppelte PrĂ€destination.“cite-ref-141[141]

Reformation in den Niederlanden bis zur Dordrechter Synode 1618/1619

Die Reformation begann in den Niederlanden zuerst im reichen Antwerpen 1519 mit Jacob Praepositus, dem Prior des Augustiner-Klosters, das die Obrigkeit 1523 zur Strafe abreißen ließ. Vor der Hinrichtung konnte der enthobene Prior fliehen, ebenso 1522 sein Nachfolger Heinrich von ZĂŒtphen. Zwei Mönche, van Esschen und Voss, wurde 1523 auf dem Scheiterhaufen verbrannt, aus Luthers Sicht die ersten lutherischen MĂ€rtyrer. Gegen die protestantische Bewegung, die sich in der calvinistischen Form von Doornik (Pierre Brully, 1545 verbrannt) und Valenciennes (NiederlĂ€ndisches Glaubensbekenntnis 1561 von Guido de BrĂšs, 1567 gehenkt) aus verbreitete, wĂ€hrend im Norden der Niederlande anfangs lange das TĂ€ufertum in der von Menno Simons gelehrten Form dominierte, versuchten Karl V. und Philipp II. durch harte Verfolgung einzuschreiten. Dazu gehörte das berĂŒchtigte Blutplakat 1550.

Noch zu Calvins Lebzeiten gab es reformierte Untergrundgemeinden in den SĂŒdlichen Niederlanden: erst Tournai, Lille und Valenciennes, spĂ€ter Gent, BrĂŒgge und Antwerpen. Sie waren nicht direkt nach Genf orientiert. Über die Londoner (zeitweise: Emder) Gemeinde von Johannes a Lasco wurden Calvins Abendmahlslehre, Ämterlehre und Kirchenzucht in die Niederlande vermittelt.cite-ref-142[142] Aber seit dem Beginn des UnabhĂ€ngigkeitskrieges gegen Spanien gestanden die Provinzen der Niederlande der reformierten Kirche, deren Mitglieder höchstens ein FĂŒnftel der Gesamtbevölkerung ausmachten, eine privilegierte Stellung zu: Sie war die einzige öffentliche Kirche (publieke kerk). Andere Konfessionen und Religionen wurden geduldet.cite-ref-143[143] Dieses niederlĂ€ndische Reformiertentum war in sich vielfĂ€ltig, da z. B. auch Impulse des Erasmus von Rotterdam wirksam waren, andererseits Absolventen der Genfer Akademie einen strikten Calvinismus mitbrachten.cite-ref-144[144] In der Synode von Emden 1571 trafen sich die Reformierten erstmals als Einheit.

Kontroversen in der PrĂ€destinationslehre wurden seit der Berufung des Jacobus Arminius nach Leiden 1603 bald zwischen Remonstranten und Contraremonstranten auf offener BĂŒhne ausgetragen; es gelang den Staaten von Holland 1614 nicht mehr, ĂŒber eine von Hugo Grotius ausgearbeitete Kompromisslösungcite-ref-145[145] den Frieden in der niederlĂ€ndisch-reformierten Kirche wiederherzustellen.cite-ref-146[146] Als der Statthalter Moritz von Oranien am 23. Juli 1617 einen Gottesdienst der Contraremonstranten Den Haag besuchte, waren kirchlich-theologische Fragen mit der niederlĂ€ndischen Innenpolitik verquickt, wobei die politische Auseinandersetzung zwischen Moritz von Oranien und dem Landesadvokaten Johan van Oldenbarnevelt ausgetragen wurde.cite-ref-147[147] Oldenbarnevelt war so wenig wie Moritz theologisch interessiert, aber indem er die Minderheit der Remonstranten unter seinen Schutz nahm, versuchte er, den staatlichen Einfluss auf die reformierte Kirche zu stĂ€rken.cite-ref-148[148]

Eine nationale Synode sollte den langjĂ€hrigen Konflikt beenden und die reformierte Kirche der Niederlande als eintrĂ€chtige und wahre Kirche nach außen darstellen. Dass es auf eine Verurteilung der Remonstranten hinauslaufen wĂŒrde, war schon im Vorfeld klar, da Oldenbarnevelt gestĂŒrzt worden war und Contraremonstranten unter den Delegierten klar in der Mehrheit waren. Um Eintracht sichtbar zu zeigen, wurden die Diskussionen daher in nichtöffentliche GesprĂ€chsrunden ausgelagert und so unsichtbar gemacht.cite-ref-149[149] ErwartungsgemĂ€ĂŸ verurteilte die Synode 1618/1619 die Lehre der Remonstranten. Die Contraremonstranten bestimmten fortan das Erscheinungsbild der publieke kerk, so dass die Niederlande als calvinistisches Land erschienen. Allerdings gehörten ihr 1519 höchstens ein Drittel der Einwohner an. Die ĂŒbrige Einwohnerschaft verteilte sich auf zahlreiche Konfessionen und religiöse Minderheiten, die vom Staat toleriert wurden, der Gewissensfreiheit garantierte.cite-ref-150[150] Moritz von Oranien hatte als Ausrichter der Synode an außenpolitischem Prestige gewonnen. Den europĂ€ischen Reformierten halfen die Lehrregeln von Dordrecht, gegenĂŒber römisch-katholischen und lutherischen Autoren geschlossener aufzutreten. Durch den politischen Zusammenbruch der Kurpfalz im DreißigjĂ€hrigen Krieg ĂŒbernahmen die Niederlande eine fĂŒhrende Position im kontinentaleuropĂ€ischen Calvinismus.cite-ref-151[151]

Tridentinischer Katholizismus

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Hauptartikel

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Katholische Reform

und

Gegenreformation

Das Konzil von Trient (1546–1563) versuchte innerhalb der drei Sitzungsperioden, die im 15. Jahrhundert begonnenen Reformen weiter fortzufĂŒhren. Die drei Sitzungsperioden standen jeweils unter anderen Vorzeichen. Eine gesamte Reform der römischen Glaubenslehre stand zu keiner Zeit zur Debatte – auch wenn man sicher sagen kann, dass nach dem Konzil die katholische Kirche eine andere geworden ist als diejenige, die Luther vorgefunden hatte. Insbesondere die AuswĂŒchse in Klerus und Kurie konnten beseitigt und eine Vereinheitlichung und Reform der römischen Kirche in Europa durchgesetzt werden. In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegrĂŒndete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.

Situation in verschiedenen europÀischen Staaten

Alte Eidgenossenschaft (Schweiz)

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Hauptartikel

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Reformation und Gegenreformation in der Schweiz

Die Reformation und die katholische Gegenreformation in der Schweiz, die damals Alte Eidgenossenschaft hiess, fanden zeitlich in einem etwas anderen Rahmen statt als in Deutschland. Als Beginn kann das Wirken Ulrich Zwinglis ab 1519 als Leutpriester in ZĂŒrich, als Ende der Konfessionalisierung der Zweite Villmergerkrieg 1712 gesehen werden. Auch die Reformation selbst nahm in der Schweiz einen anderen Verlauf, weil die Alte Eidgenossenschaft eine andere Sozialstruktur aufwies als das Reich. Bis heute unterscheiden sich die aus der Schweizer Reformation hervorgehenden evangelisch-reformierten Kirchen von den aus der Wittenberger Reformation hervorgehenden evangelisch-lutherischen Kirchen. GemĂ€ĂŸ dem Charakter der Eidgenossenschaft als Staatenbund ging die Reformation in der Schweiz von verschiedenen Zentren aus und wurde von verschiedenen Reformatoren angeregt, unter anderem von Johannes Oekolampad, der ab 1522 die Reformation in Basel vorantrieb, und Berchtold Haller, dessen Thesen fĂŒr die Berner Disputation von 1528 entscheidend zur Konsolidierung der Reformation beitrugen. Weltgeschichtlich am bedeutendsten waren die Persönlichkeit und die Lehren von Johannes Calvin, dem BegrĂŒnder des Calvinismus, der ab 1536 Genf zum „protestantischen Rom“ machte. Bedeutend waren auch Ulrich Zwingli, der ab 1519 in ZĂŒrich wirkte, sowie sein Nachfolger Heinrich Bullinger, der 1549 mit Calvin durch den Consensus Tigurinus die Einigung der Zwinglianer und Calvinisten in der Abendmahlsfrage erreichte. WĂ€hrend die lutherische Reformation in ihrem unmittelbaren Wirken auf Deutschland und Nordeuropa beschrĂ€nkt blieb, wirkte die schweizerische Reformation international ĂŒber Ungarn, die Niederlande und Großbritannien bis in die USA.

Zwingli und Calvin lehnten konsequent alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begrĂŒndet sind. Daher haben die reformierten Kirchen nĂŒchterne GotteshĂ€user, die höchstens mit BibelsprĂŒchen dekoriert waren; die Kirchenstruktur ist synodal, presbyterianisch oder kongregationalistisch, d. h. im Regelfall ohne Bischofsamt; Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab, obwohl er sehr musikalisch war. Das Abendmahl war fĂŒr Zwingli eher eine Gedenkfeier, und auch Calvin band die RealprĂ€senz nicht wie Luther an die Elemente Brot und Wein, so dass gĂ€nzlich neue Liturgien entstanden.

ZĂŒrich war ein frĂŒhes Zentrum der TĂ€uferbewegung. Von hier aus kam es besonders im lĂ€ndlichen Raum in mehreren Schweizer Kantonen (Basel, Bern, St. Gallen, Aargau und Appenzell), in Tirol und im SĂŒdwesten des Reichs zu GemeindegrĂŒndungen. In ZĂŒrich, Bern, Schaffhausen, Straßburg, dem Jura und am Oberrhein bestanden TĂ€ufergemeinden kontinuierlich bis ins 18. Jahrhundert. Besonders im Berner Gebiet wurden sie systematisch von Kirche und Staat verfolgt, enteignet und einige wurden verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Schweizer TĂ€ufer flohen ins Elsass und in die Pfalz, wo sie im spĂ€ten 17. Jahrhundert toleriert wurden. Als „Schweizer BrĂŒder“ (eine BegriffsprĂ€gung von Pilgram Marbeck) wird eine Form des TĂ€ufertums bezeichnet, die eine „distinkte kirchliche IdentitĂ€t“ (Thomas Kaufmann) kennzeichnete.cite-ref-152[152]

Frankreich

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Hauptartikel

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Reformation und Gegenreformation in Frankreich

Der Humanist und BibelĂŒbersetzer Jacques LefĂšvre d’Étaples war die zentrale Figur, die weitere Personen um sich scharte, die ab 1519 die Thesen Martin Luthers diskutierten und in der Folge evangelische Glaubensansichten annahmen. König Franz I. tolerierte zunĂ€chst reformatorische Bestrebungen in Frankreich, beugte sich aber bald dem katholischen Druck und außenpolitischen ZwĂ€ngen, so dass es 1523 zu ersten Hinrichtungen von Protestanten kam. Bis 1530 wurden die reformatorischen AktivitĂ€ten weitgehend in den Untergrund gedrĂ€ngt. Dennoch blieben die evangelischen Gemeinden bestehen. 1533 trat Jean Calvin zum reformierten Bekenntnis ĂŒber und prĂ€gte in der Folgezeit den französischen Protestantismus maßgebend, trotz seines Exils in Genf.

Die BartholomĂ€usnacht im Jahr 1572 war der Höhepunkt der antireformatorischen Repressionen in Frankreich mit etwa 10.000 ermordeten Protestanten. Von 1530 bis 1730 verließen etwa 200.000 von insgesamt 730.000 Hugenotten, wie die Reformierten Frankreichs genannt wurden, das Land in Richtung Schweiz, Deutschland, Niederlande, England und Amerika, um ihren evangelischen Glauben weiter frei ausĂŒben zu können. Als oft tĂŒchtige Berufsleute trugen sie wesentlich zum wirtschaftlichen Aufbau der jeweiligen LĂ€nder bei, die ihnen Asyl geboten hatten.

England

Die Reformation in England wurde vor allem aus politischen GrĂŒnden ausgelöst. König Heinrich VIII. hatte ab 1531 den Bruch mit dem Papst betrieben, weil der seine Ehe mit Katharina von Aragon nicht annullieren und ihm so eine neue Ehe ermöglichen wollte. Durch die Suprematsakte von 1534 wurde die Kirche von England gegrĂŒndet, in der der Monarch als Oberhaupt („supreme head“) wirken sollte. Eine Änderung von Lehre, Liturgie und Kirchenverfassung war damit zunĂ€chst nicht verbunden.

Allerdings hatten einige englische Theologen Sympathie fĂŒr das reformatorische Wirken von Martin Luther, Johannes Calvin und Ulrich Zwingli entwickelt. Schon im 14. Jahrhundert hatte John Wyclif die AutoritĂ€t des Papstes bestritten und die Bibel in englischer Sprache verbreitet. William Tyndale brachte 1526 die erste gedruckte englische Bibel heraus. Thomas Cromwell, der ab 1536 im Auftrag des Königs die Kirchenpolitik bestimmte, förderte die Anlehnung an die kontinentale Reformation und betrieb die Auflösung der englischen Klöster, wurde aber 1540 gestĂŒrzt und hingerichtet. Damit gewann zunĂ€chst wieder ein konservativer Kurs die Oberhand.

Erst unter der Regentschaft von Heinrichs Sohn Edward VI. wurden ab 1547 grĂ¶ĂŸere Reformen (z. B. das erste Book of Common Prayer als Grundlage des volkssprachlichen Gottesdienstes 1549 und die Zweiundvierzig Artikel von 1552 als reformatorische Bekenntnisschrift) eingefĂŒhrt. Martin Bucer wurde 1549 an die UniversitĂ€t Cambridge berufen. Ab 1553 wurde England unter Maria Tudor, der „blutigen Maria“, wieder gewaltsam zur römischen Lehre zurĂŒckgefĂŒhrt, aber als ihr 1558 ihre Halbschwester Elisabeth I. auf dem Thron folgte, wurde die anglikanische Kirche wieder etabliert. Die auf der Grundlage der 42 Artikel 1563 verfassten und 1571 von der Königin anerkannten 39 Artikel gaben der Kirche von England eine moderat calvinistische Ausrichtung. Der Puritanismus, der eine entschiedene DurchfĂŒhrung der Reformation auf calvinistischer Grundlage wollte, hatte zwar zahlreiche AnhĂ€nger, konnte sich aber nicht durchsetzen. Auch König Jakob I., der ab 1603 regierte, war zwar ein AnhĂ€nger des Calvinismus (1618 sandte er Abgesandte zur Synode von Dordrecht) und suchte das BĂŒndnis mit den protestantischen MĂ€chten auf dem Kontinent, drĂ€ngte den Einfluss der Puritaner aber weiter zurĂŒck. Unter seinem Sohn Karl I. und seinem 1633 eingesetzten Erzbischof William Laud wurden sie offen bekĂ€mpft. Die kirchlichen Konflikte waren eine Hauptursache fĂŒr den Englischen BĂŒrgerkrieg, der 1649 zur Errichtung der englischen Republik fĂŒhrte. Mit der Restauration des Königtums unter Karl II. und der UniformitĂ€tsakte von 1662, die zur Entlassung von ĂŒber 2000 reformiert gesinnten Geistlichen fĂŒhrte, erhielt die Kirche von England ihre jetzige PrĂ€gung zwischen Katholizismus und Protestantismus.cite-ref-153[153] Die Bestrebungen Jakobs II., die katholische Kirche wieder zum Status der Staatskirche zu erheben, scheiterten mit der Glorreichen Revolution (1688).

Skandinavien

Siehe auch

:

DĂ€nische Volkskirche

,

Norwegische Kirche

und

Schwedische Kirche

Siehe auch

:

Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands

Die Reformation in den skandinavischen LĂ€ndern wurde mehrheitlich von den jeweiligen Landesherren verordnet. Bereits 1522 wurde in Husum evangelisch gepredigt. 1526 ließ der dĂ€nische Prinz Christian III. in Haderslev als erster Stadt im Herzogtum Schleswig den evangelischen Glauben einfĂŒhren. Denn der spĂ€tere König hatte 1521 am Reichstag zu Worms teilgenommen, wo er von Martin Luther ĂŒberzeugt worden war. Im Rest seines Reiches wurde die evangelische Lehre bis 1536 durchgesetzt, die ehemaligen Mönche Hans Tausen und Paul Helgesen waren seine wichtigsten Reformatoren. 1537 verließ zwar der letzte katholische Bischof norwegischen Boden, aber die Annahme und Praktizierung des neuen Glaubens in Norwegen und Island, die damals zum dĂ€nischen Reich gehörten, dauerten noch viel lĂ€nger.

In Schweden unter König Gustav Vasa fand die Reformation schrittweise Eingang von 1523 bis 1544. Der Reichstag von VĂ€sterĂ„s (1527) bestĂ€tigte die Grundentscheidung fĂŒr die Reformation. Laurentius Andreae und Olaus Petri waren von den wichtigsten Figuren, die die Reformen vertraten und umsetzten. 1550 wurde Mikael Agricola, der bei Luther und Melanchthon in Wittenberg studiert hatte, evangelisch-lutherischer Bischof in Turku und fĂŒhrte das evangelische Bekenntnis im schwedisch beherrschten Finnland ein. In allen LĂ€ndern entstanden lutherische Staatskirchen, die andere evangelische Konfessionen ablehnten.cite-ref-154[154]cite-ref-155[155]cite-ref-156[156]

Polen und Litauen

Siehe auch

:

Reformation und Gegenreformation in Polen-Litauen

und

Protestantismus in der Ukraine#Geschichte

Bereits 1525 fĂŒhrte Herzog Albrecht im Herzogtum Preußen als erstem vom Königreich Polen dominierten Territorium ĂŒberhaupt die Reformation ein.

Im Polen-Litauen, das Gebiete des heutigen Polen, Westrusslands, der Ukraine, Belarus und des Baltikums umfasste, entstanden einige lutherische und reformierte Gemeinden auf Initiative und mit UnterstĂŒtzung regionaler Adliger. Diese wurde vom herrschenden Königshaus der Jagiellonen zunehmend toleriert, insbesondere von Sigismund II. August, der von 1548 bis 1572 regierte. 1555 wurde am Reichstag von PiotrkĂłw die geistliche Gerichtsbarkeit ĂŒber die zunehmenden Nichtkatholiken wegen der Szlachta, des Adels, aufgehoben. An der Versammlung waren 70 katholische (55 Laien und 15 Bischöfe), 58 protestantische und zwei orthodoxe Abgeordnete beteiligt. 1559 ließ der König zu, dass Preußen Königlichen Anteils die Confessio Augustana annehmen durfte. 1565 formierte sich als Abspaltung der reformierten Kirche die unitarische Kirche der Polnischen BrĂŒder. 1570 fand unter der Herrschaft von Sigismund II. August der Consensus von Sandomir statt, wo sich Lutheraner, Calvinisten und Böhmische BrĂŒder verstĂ€ndigten und damit die evangelische Position und PrĂ€senz in Polen-Litauen stĂ€rkten. Die Konföderation von Warschau beschloss 1573 ein Toleranzedikt, das (mehrheitlich adeligen) Personen in Polen-Litauen politische Gleichstellung im Reichstag, BĂŒrgerrechte und Religionsfreiheit zusicherte. Ab 1575 fĂŒhrten die Jesuiten im Auftrag der Könige Stephan BĂĄthory und Sigismund III. Wasa die Gegenreformation auf intellektueller Basis durch, wodurch Evangelische, besonders die radikalreformatorischen Antitrinitarier (Polnischen BrĂŒder), unter Druck gerieten. Einige evangelische Adlige kehrten auch freiwillig zur katholischen Kirche zurĂŒck, weil sie die theologischen Differenzen und die darausfolgende Zerstrittenheit unter den Protestanten nicht mehr mittragen konnten.cite-ref-157[157]

Ungarn und SiebenbĂŒrgen

Siehe auch

:

Reformation in SiebenbĂŒrgen

Bereits 1523 kamen Schriften von Luther und Melanchthon in die ungarisch-sĂ€chsischen StĂ€dte Kronstadt, Hermannstadt, Bistritz, Mediasch, SchĂ€ĂŸburg und Klausenburg. Als erste StĂ€dte fĂŒhrten Kronstadt und Hermannstadt die Reformation 1542 und 1543 ein, weil die StĂ€nde einander die Glaubensentscheidung freigestellt hatten. Nach 1550 folgten Klausenburg und Debrecen und deren Umgebungen; der Landtag anerkannte die Confessio Augustana als eigene Konfession. 1556 wurden die ungarischen Lutheraner als Kirche unabhĂ€ngig und wĂ€hlten einen eigenen Bischof. 1564 wurde das helvetische Bekenntnis gleichberechtigt anerkannt, nachdem viele Personen einen evangelisch-reformierten Glauben angenommen hatten.

WĂ€hrend der toleranten Herrschaft Johann Sigismund ZĂĄpolya wurden mit dem Edikt von Torda 1568 sowohl die lutherische, reformierte, katholische als auch die unitarische Konfession als gleichberechtigt akzeptiert, letztere erhielten 1571 in SiebenbĂŒrgen die gleichen Rechte wie die andern anerkannten Kirchen. Weitere Glaubensbekenntnisse wurden ein Jahr spĂ€ter abgelehnt. Die Bevölkerungsmehrheit war inzwischen evangelisch geworden.cite-ref-wien-2017-s9-16-158-0[158] 1590 wurde im ostungarischen Dorf Vizsoly, die von einer Gruppe um GĂĄspĂĄr KĂĄrolyi ins Ungarische ĂŒbersetzte Vollbibel von BĂĄlint Mantskont gedruckt. Diese in der Folge sprachbildende und kulturprĂ€gende Bibel wurde von evangelischen Adligen finanziert.cite-ref-159[159]cite-ref-160[160]

Habsburgerreich (Österreich)

Siehe auch

:

Evangelische Kirche A.B. in Österreich

Siehe auch

:

Evangelische Kirche H.B. in Österreich

Kurz nach dem Erscheinen erster reformatorischer Schriften Martin Luthers vertrat ab 1520 der katholische Priester Paul Speratus evangelische Ideen, und am 12. Januar 1522 predigte er im Wiener Stephansdom erstmals öffentlich die neuen Glaubensinhalte. In die BergwerksstĂ€dte Hall in Tirol, Schwaz, Rattenberg und Schladming brachten sĂ€chsische und thĂŒringische Bergleute zuerst die Ideen und Schriften der Reformation, die infolge kirchlichen MissstĂ€nden auf reges Interesse, Anklang und Zustimmung stiessen. Um 1530 war das österreichische Gebiet durch den Einfluss dieser Bergleute und Studenten, die bei Luther und seinen Mitstreitern in Wittenberg studiert hatten, grĂ¶ĂŸtenteils evangelisch geworden.cite-ref-161[161] Viele Personen vor allem unter den Adligen hatten sich dem Protestantismus zugewandt. Der Adlige Jörger von Tollet in Hernals war ein vehementer BefĂŒrworter der Reformation. In Niederösterreich hatten etwa 90 Prozent aller Bewohner das lutherische Bekenntnis angenommen, Oberösterreich war ab 1525 mehrheitlich evangelisch und KĂ€rnten war zwischen 1525 und 1627 ein protestantisches Gebiet. Im Tirol waren die Bergbaugebiete und regionale Zentren zu Orten der Reformation geworden, im Vorarlberg war der neue Glaube nur bei wenigen stĂ€dtischen HĂ€ndlern und Unternehmern vertreten. Vor allem Kaiser Ferdinand I. und der Salzburger Erzbischof MatthĂ€us Lang versuchten, die Reformation zu bekĂ€mpfen, rĂŒckgĂ€ngig zu machen und vor allem von der Macht fern zu halten.cite-ref-162[162]

Nach der GrĂŒndung einer Niederlassung der Jesuiten 1551 in Wien und dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde die katholische Gegenreformation von Staat und Kirche eingeleitet, aber erst um 1600 gewaltsam in ihren Gebieten durchgesetzt.cite-ref-163[163] Zeitgleich kam es zur GrĂŒndung vieler Klöster, Kirchen und Kapellen in den StĂ€dten zur Förderung der katholischen Frömmigkeit.cite-ref-164[164] Diejenigen, die trotzdem evangelisch bleiben wollten, mussten auswandern oder wurden zu Geheimprotestanten, die sich nach außen als Katholiken zeigten, aber innerlich weiterhin der evangelischen Lehre anhingen. WĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Kriegs (1618–1648) gewann das katholische Heer die Schlacht am Weißen Berg 1620 bei Prag, danach wurde der evangelische Adel 1627 und 1628 ausgewiesen, was das öffentliche evangelische Zeitalter im Habsburgerreich weitgehend beendete. Die verbliebenen Protestanten hielten sich bis zum Toleranzpatent 1781 von Joseph II. an den östlichen RĂ€ndern, in den Alpen und in lĂ€ndlichen Gebieten wie im sĂŒdlichen Oberösterreich, in der Obersteiermark und in KĂ€rnten auf, um nicht aufzufallen und verfolgt zu werden.cite-ref-165[165]cite-ref-166[166] Ferdinand II. setzte die sogenannte Religionsreformationskommission ein und damit die katholische Konfession als einzig erlaubten Glauben wieder her. Die in der Reformationszeit 26 entstandenen KirchengebĂ€ude samt den zugehörigen Friedhöfen wurden zerstört, verbotene evangelische BĂŒcher verbrannt und ĂŒber 100.000 Personen emigrierten, die meisten nach SĂŒddeutschland. Offenen grösseren Widerstand von Seiten Evangelischer gegen die Rekatholisierung gab es in Gegendtal, Kleblach-Lind, Bad Bleiberg und KremsbrĂŒcke in KĂ€rnten. Im Ennstal, Paltental, Oberes Murtal, Wald am Schoberpass und Salzkammergut in der Steiermark und im Defereggental, Pustertal, Ahrntal und Zillertal war der Widerstand stĂ€rker in der versteckten Form des Geheimprotestantismus.cite-ref-167[167]

Italien

Siehe auch

:

Evangelische Waldenserkirche

,

Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien

und

Evangelisch-lutherische Kirche in Venedig

Bereits 1518 wurden erste Schriften Martin Luthers ins Italienische ĂŒbersetzt und danach unter gebildeten Mönchen vor allem in Norditalien rege diskutiert. Insbesondere im Veneto, im Umland Venedigs, entstanden darauf viele kleine evangelische Gruppierungen zuerst unter weiteren Gebildeten und dann unter Handwerkern. Im Jahre 1532 wurde in Venedig die erste italienische Bibel herausgegeben und 1543 das weit verbreitete evangelische Traktat Il Beneficio di Cristo von Benedetto Fontanini und Marcantonio Flaminio. Ab 1533 trafen sich einflussreiche Geistliche und Intellektuelle bei reformfreudigen StaatssekretĂ€r Juan de ValdĂ©s in Neapel. 1535 bis etwa 1550 war der herzogliche Hof in Ferrara wegen RenĂ©e de France ein Zwischenhalt und Treffpunkt fĂŒr evangelische GlaubensflĂŒchtlinge. Im Sommer 1542 starb der aufgeschlossene Kardinal Gasparo Contarini, der die evangelisch Gesinnten beschĂŒtzt hatte; im gleichen Jahr wurde im Rahmen der Gegenreformation die römische Inquisition gegrĂŒndet. Viele, die den evangelischen Glauben angenommen hatten, flĂŒchteten oft ĂŒber Chiavenna in die Schweiz, nach Deutschland, England, MĂ€hren, Polen und SiebenbĂŒrgen.cite-ref-168[168] Von 1555 unter Papst Paul IV. bis 1588 wurden die ĂŒbriggebliebenen Protestanten aufgespĂŒrt, verfolgt und weitgehend vernichtet. International tĂ€tige TextilhĂ€ndlerfamilien und deren Mitglieder wie die Diodati, so Carlo Diodati, und die Turrettini aus Lucca ließen sich in Genf nieder. Nur in einigen italienischen AlpentĂ€lern des Piemonts konnten sich kleine Waldenser­gemeinden halten, die sich 1532 der Schweizer Reformation Genfs angeschlossen hatten. Herzog Emmanuel-Philibert von Savoyen hatte ihnen im Juni 1561 unterzeichneten Vertrag von Cavour freie ReligionsausĂŒbung zugestanden.cite-ref-169[169]cite-ref-170[170]cite-ref-171[171]cite-ref-172[172]

Spanien und Portugal

Auf die Iberische Halbinsel kamen erste Schriften von Erasmus von Rotterdam und Martin Luther per Schiff in die HafenstĂ€dte. Sie wurden von gebildeten Adligen und Mönchen mit Interesse gelesen. Die Reformation konnte sich aber nicht durchsetzen, weil die Jesuiten und die Spanische Inquisition in der Zeit der Gegenreformation alle reformatorischen Bestrebungen sofort erfolgreich bekĂ€mpfen und auslöschen konnten. Erste Anklagen lagen 1524 in Valencia vor. Der reformfreudige Juan de ValdĂ©s wich 1531 nach Rom aus. Francisco de Enzinas ĂŒbersetzte 1543 das Neue Testament ins Spanische. 1557 flĂŒchtete der Mönch Casiodoro de Reina, der dem Hieronymitenorden bei Sevilla angehörte, nach Genf. Er ĂŒbersetzte die ganze Bibel ins Spanische, die 1569 in Basel gedruckt wurde. Cipriano de Valera ĂŒberarbeitete sie ab 1582, sie konnte 1602 in Amsterdam als Reina-Valera-Bibel gedruckt werden und erfuhr danach weitere Revisionen und Drucklegungen. 1559 wurden sowohl in Valladolid und in Sevilla mehrere Evangelische zum Tod verurteilt und verbrannt. Man schĂ€tzt, dass insgesamt etwa 1.000 Protestanten von der Inquisition aufgespĂŒrt und bei 100 die Todesstrafe gefĂ€llt und vollstreckt wurde.cite-ref-173[173]

Wirkungsgeschichte

FĂŒr die Geschichte des Christentums bedeutete die Reformation den vorlĂ€ufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die ĂŒber die ab dem 13. Jahrhundert verstĂ€rkt formulierte Kritik an der römisch-katholischen Kirche (Averroismus, Jan Hus, John Wyclif, Wilhelm von Ockham) und die Bildung zahlreicher „hĂ€retischer“ christlicher Glaubensgruppen bis hin zur erneuten Spaltung der Christenheit fĂŒhrten. Die neu entstandenen Konfessionen konnten sich nach langem Ringen schließlich als staatlich gleichberechtigte Kirchen neben der römisch-katholischen etablieren. Da die neuen Konfessionen zu stark waren, um dauerhaft unterdrĂŒckt werden zu können, waren, obwohl es zahlreiche RĂŒckschlĂ€ge und sogar Religionskriege gab, beide Seiten auf Dauer zur religiösen Toleranz gezwungen. Die römisch-katholische Kirche verlor nicht nur in weiten Teilen Europas an Einfluss, sondern insbesondere auch ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol fĂŒr die Auslegung der Bibel. Die Reformation fĂŒhrte durch den Druck, der durch den schnellen Abfall ganzer Regionen vom Katholizismus verursacht wurde, auch auf römisch-katholischer Seite zu Reformen. Daher spricht man hierfĂŒr auch von katholischer Reform. Außerdem wurde versucht, eine Rekatholisierung der vom römisch-katholischen Glauben abgefallenen Gebiete zu erreichen, was wiederum eine Seite der Gegenreformation darstellt.

Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformation nicht grundlegend in Frage gestellt, dennoch wurden fundamentale GlaubenssĂ€tze und religiöse Praktiken, die jahrhundertelang als unumstĂ¶ĂŸlich galten, von den Reformatoren und ihren AnhĂ€ngern verworfen (z. B. Marien- und Heiligenverehrung, Wallfahrten und andere „gute Werke“). In protestantischen Territorien wurden flĂ€chendeckend alle Klöster enteignet und aufgelöst, die Ordensleute, soweit sie nicht zu protestantischen Predigern wurden, wurden vertrieben oder konnten in ihren aussterbenden Konventen verbleiben. Die AutoritĂ€t der Kirchen ĂŒber die GlĂ€ubigen wurde zwar zunĂ€chst nur teilweise aufgebrochen, dennoch bereitete die Reformation den Weg zum Zeitalter der AufklĂ€rung, in dem das Individuum in seiner persönlichen Freiheit deutlich aufgewertet wurde und in der schließlich selbst atheistische Weltbilder Anerkennung erfuhren.cite-ref-174[174]

Doch die Reformation revolutionierte nicht nur das geistliche Leben, sie setzte auch eine umfassende gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Vorbereitet durch Luthers prinzipielle Trennung von Geistlichem und Weltlichem (Zwei-Reiche-Lehre) löste sich der Staat von der Bevormundung durch die Kirche, um nun seinerseits im Landesherrentum und Absolutismus die Kirche von sich abhĂ€ngig zu machen. Doch auch dies stellte nur eine Übergangsphase in einer Entwicklung dar, die in vielen LĂ€ndern in die Trennung von Kirche und Staat mĂŒndete, die die Hugenotten und TĂ€ufer als verfolgte Minderheitskirchen schon seit ihrer Entstehung im 16. Jahrhundert praktizierten. Aus dem englischen TĂ€ufertum entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts die Baptistenkirchen. StĂ€rker noch als die General Baptists waren die Particular Baptists von der Theologie Calvins beeinflusst. Wie die TĂ€ufer forderten die Baptisten vehement Glaubensfreiheit (John Smyth, Thomas Helwys, Roger Williams u. a.). Als letzte reformatorische Kirche trennten sich Ende des 18. Jahrhunderts die Methodisten von der Kirche von England.

Durch das Entstehen protestantischer Territorien und Staaten verschoben sich die MachtverhĂ€ltnisse in Europa und spĂ€ter in den ĂŒberseeischen Kolonien grundlegend. Die Reformation hatte tiefgreifende Auswirkungen auf alle Gebiete des Lebens: Ehe und Familie, Staat und Gesellschaft, Schule und Hochschule, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst ((Kirchen-)Musik, Literatur, Malerei). Die Reformatoren wollten, dass jedes Gemeindeglied die Bibel selbst lesen konnte. Deshalb förderten sie das Bildungswesen auf allen Ebenen, von der Volksschule ĂŒber die Lateinschule bis zur UniversitĂ€t. Dadurch entstand eine fĂŒr das Erstarken der Geistes- und Naturwissenschaften sowie der Technik gĂŒnstiges kulturelles Klima. Max Weber (Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus) vertrat die viel rezipierte These, dass die Betonung von Fleiß, Sparsamkeit, GenĂŒgsamkeit, die Erhöhung der Arbeit gleichsam zum Gottesdienst und der Verzicht auf LuxusgĂŒter Geld fĂŒr Investitionen freigemacht habe, was der krĂ€ftigen Entwicklung der Wirtschaft zugutegekommen sei. Er bezog sich hierbei auf den Puritanismus.

Neue Gottesdienstordnungen

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Hauptartikel

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Deutsche Messe (Gottesdienst)

Verschiedene Reformatoren (Thomas MĂŒntzer, auch Andreas Bodenstein und spĂ€ter auch Luther) bemĂŒhten sich um die Schaffung von Gottesdienstordnungen in der Landessprache. Diese ersetzten in den protestantischen Gebieten rasch die lateinische Messe. Im Zentrum dieser neuen evangelischen Ordnungen standen Schriftlesung und Predigt (Wortgottesdienst). Die deutsche BibelĂŒbersetzung ermöglichte es jedem Gemeindemitglied, die Auslegung des Pfarrers (Predigt) mit dem Wort der Bibel zu vergleichen. Luther und MĂŒntzer blieben mit ihren VorschlĂ€gen eng an der inneren Ordnung der Messe, wĂ€hrend andere Reformatoren weiterreichende Änderungen durchfĂŒhrten.

Bekenntnisschriften

Die Reformationszeit brachte zahlreiche Bekenntnisschriften hervor, die in den Konfessionen einen unterschiedlichen Stellenwert haben. FĂŒr die Lutheraner war die Bekenntnisbildung im spĂ€ten 16. Jahrhundert mit dem Konkordienbuch abgeschlossen.

Siehe auch

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Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche

In der reformierten Tradition ist Bekenntnisbildung dagegen ein offener Prozess. In einem Bekenntnis formuliert jeweils eine lokale oder nationale Kirche (coetus particularis) ihren Glauben in einer konkreten geschichtlichen Situation.cite-ref-175[175] Jedes Bekenntnis kann aufgrund besseren VerstĂ€ndnisses der Bibel revidiert werden. So heißt es zum Beispiel in der Confessio Helvetica posterior: „Vor allem aber bezeugen wir, daß wir immer völlig bereit sind, unsere Darlegungen im allgemeinen und im besonderen auf Verlangen ausfĂŒhrlicher zu erlĂ€utern, und endlich denen, die uns aus dem Worte Gottes eines Besseren belehren, nicht ohne Danksagung nachzugeben und Folge zu leisten im Herrn, dem Lob und Ehre gebĂŒhrt.“cite-ref-176[176]

Die Schleitheimer Artikel (1527) entstanden als tĂ€uferisches Bekenntnis ungefĂ€hr gleichzeitig mit den frĂŒhen lutherischen und reformierten Bekenntnisschriften. Der Rakauer Katechismus von 1608 ist eine Bekenntnisschrift des polnischen Unitarismus.

SprachprÀgende Wirkung der Lutherschriften

Luthers Sprachform war das Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und sĂŒddeutsche Dialekte schon teilweise verschmolzen waren, was eine große Verbreitung seiner Schriften ermöglichte. Luthers Sprache ist nach Werner Besch (2014) außerdem eingebunden in die maßgebliche kursĂ€chsische Schreibtradition Wittenbergs.cite-ref-1-177-0[177] Erst durch Luthers theologische AutoritĂ€t gab seine BibelĂŒbersetzung dem obersĂ€chsisch-meißnischen Dialekt den Impuls zum allgemeinsprachlichen FrĂŒhneuhochdeutsch in ganz Deutschland, vor allem im niederdeutschen Raum, spĂ€ter auch im Oberdeutschen. „Das Deutsch seiner Bibel ist wohl der wichtigste Steuerungsfaktor in der jĂŒngeren Sprachgeschichte“, so das Fazit von Besch.cite-ref-1-177-1[177]

Mit der BibelĂŒbersetzung, einem Gemeinschaftswerk Luthers, Melanchthons und weiterer Wittenberger Theologen, erzielte der Reformator eine große Breitenwirkung. Die endgĂŒltige sprachliche Gestaltung behielt sich Luther vor, so dass die Bezeichnung Lutherbibel zutreffend ist. Es gab vorher schon vierzehn hochdeutsche und vier niederdeutsche Vorlutherische deutsche Bibeln. Die Prinzipien seiner Übersetzungsarbeit hat Luther selbst in seinem Sendbrief vom Dolmetschen von 1530 ausfĂŒhrlich dargestellt und gegen den katholischen Vorwurf der TextverfĂ€lschung gerechtfertigt.

Luther ĂŒbersetzte nicht wortgetreu, sondern versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Sinn (sensus literalis) ins Deutsche zu ĂŒbertragen. Dabei legte er die Bibel gemĂ€ĂŸ seiner Auffassung von dem her aus, „was Christum treibet“, und dies hieß fĂŒr ihn, auszugehen von Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mitte der ganzen Schrift. Er begriff das Evangelium „eher als mĂŒndliche Botschaft denn als literarischen Text, und von daher erhielt die Übersetzung ihren sprechsprachlichen, hörbezogenen Charakter.“cite-ref-15-178-0[178] Seine sprachliche Gestaltung wirkte bis zur Gegenwart stil- und sprachbildend. Im Bereich des Wortschatzes ersann er AusdrĂŒcke wie „SĂŒndenbock“, „LĂŒckenbĂŒĂŸer“, „Lockvogel“ oder „Dachrinne“. Auch metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die SĂ€ue werfen“ gehen auf ihn zurĂŒck. Neben diesen Neuerungen bewahrte er aber auch historische Formen der Morphologie, die schon weitgehend durch Apokope verschwunden waren, wie das lutherische e in Plural, PrĂ€teritum und anderen Wortformen. FĂŒr die Rechtschreibung fĂŒhrte seine Übersetzung dazu, dass die Großschreibung der Nomen beibehalten wurde. Luthers Bibel gilt daneben auch dichterisch als große Leistung, da sie bis in den Silbenrhythmus (Prosodie) hinein durchdacht ist.cite-ref-15-178-1[178] Sie ist eine wichtige Basis der Kirchenmusik: viele Kompositionen verwenden Luthers Textfassung fĂŒr ChorĂ€le, Kantaten, Motetten und andere musikalische Formen.

Rezeption

Die Reformation als prÀgendes Ereignis fand ihren Niederschlag in der bildenden Kunst sowie in historischen Romanen. Einzelne Orte und Regionen entwickeln ihren eigenen Stil im Umgang mit der Erinnerung an die Reformation Luthers, und die Erinnerung an diese wird punktuell auch in Freikirchen der Gegenwart wachgehalten.cite-ref-179[179]

Literatur

‱ Heinz Angermeier (Hrsg.): SĂ€kulare Aspekte der Reformationszeit (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Band 5). Oldenbourg, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-486-51841-0. (Digitalisat)
‱ Heinz Angermeier: Reichsreform und Reformation (= Schriften des Historischen Kollegs. VortrĂ€ge. Band 5). MĂŒnchen 1983. (Digitalisat)
‱ Thomas A. Brady (Hrsg.): Die deutsche Reformation zwischen SpĂ€tmittelalter und FrĂŒher Neuzeit (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Band 50). MĂŒnchen 2001, ISBN 3-486-56565-6 (Digitalisat).
‱ Udo Di Fabio, Johannes Schillung: Weltwirkung der Reformation. Wie der Protestantismus unsere Welt verĂ€ndert hat, Band 6261, C.H. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-70078-1.cite-ref-180[180]
‱ Tim Dowley: Der Atlas zur Reformation in Europa. Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 2016, ISBN 978-3-7615-6331-1.
‱ Lorenz Hein: Italienische Protestanten und ihr Einfluß auf die Reformation in Polen wĂ€hrend der beiden Jahrzehnte vor dem Sandomirer Konsens 1570. Brill, Leiden 1974, ISBN 90-04-03893-0.
‱ Simo Heininen, Otfried Czaika: Wittenberger EinflĂŒsse auf die Reformation in Skandinavien. In: EuropĂ€ische Geschichte Online. Hrsg. vom Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz), 2010. Zugriff am 14. Juni 2012.
‱ Erwin Iserloh, Hubert Jedin: Die protestantische Reformation. In: Erwin Iserloh, Josef Glazik, Hubert Jedin (Hrsg.): Reformation, katholische Reform und Gegenreformation (= Handbuch der Kirchengeschichte Band IV). Herder, Freiburg im Breisgau 1967, Sonderausgabe 1999, ISBN 3-451-27100-1, S. 1–446.
‱ Carola JĂ€ggi, Jörn Staecker (Hrsg.): ArchĂ€ologie der Reformation. Studien zu den Auswirkungen des Konfessionswechsels auf die materielle Kultur (= Arbeiten zur Kirchengeschichte, Bd. 104). De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019513-2.
‱ Martin H. Jung: Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517–1648) (= UTB. Nr. 3628). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8252-3628-1.
‱ Peter Kamber: Reformation als bĂ€uerliche Revolution. Bildersturm, Klosterbesetzungen und Kampf gegen die Leibeigenschaft in ZĂŒrich zur Zeit der Reformation (1522–1525). Chronos, ZĂŒrich 2009, ISBN 978-3-0340-0808-2.
‱ Wolfram Kaiser, Arina Völker (Hrsg.): Medizin und Naturwissenschaften in der Wittenberger ReformationsĂ€ra (= Wissenschaftliche BeitrĂ€ge der Martin-Luther UniversitĂ€t Halle-Wittenberg, 82/7 (T 45)). Halle an der Saale 1982 (Volltext [1] Auf: uni-wittenberg.de)
‱ Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation. C. H. Beck, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-69607-7.
‱ Thomas Kaufmann: Die Druckmacher. Wie die Generation Luther die erste Medienrevolution entfesselte. C. H. Beck, MĂŒnchen 2022, ISBN 978-3-406-78182-7.
‱ Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-458-71024-0.
‱ Ernst Koch: Das konfessionelle Zeitalter – Katholizismus, Luthertum, Calvinismus (1563–1675) (= Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen. II/8). Leipzig 2000, ISBN 3-374-01719-3.
‱ Hans-Joachim Köhler (Hrsg.): Flugschriften als Massenmedium der Reformationszeit (= SpĂ€tmittelalter und frĂŒhe Neuzeit, Bd. 13). Klett-Cotta, Stuttgart 1981, ISBN 3-12-911630-3.
‱ Katharina Kunter: 500 Jahre Protestantismus. Eine Reise von den AnfĂ€ngen bis in die Gegenwart. GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2011, ISBN 978-3-579-08097-0.
‱ Michael Landgraf: Reformation. EinfĂŒhrung – Materialien – Kreativideen. 3. Aufl. Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7668-4369-2.
‱ Volker Leppin: Reformation (= Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen. Bd. 3). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2005, ISBN 3-7887-2120-0.
‱ Volker Leppin: Die Reformation. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-15122-6.
‱ Volker Leppin: Transformationen. Studien zu den Wandlungsprozessen in Theologie und Frömmigkeit zwischen SpĂ€tmittelalter und Reformation. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2015, ISBN 978-3-16-152820-0.
‱ Carter Lindberg: The European Reformations. Oxford u. a. 1996, ISBN 1-55786-575-2 (sehr umfassende Geschichte der Reformation vom SpĂ€tmittelalter bis zur Gegenreformation, die sĂ€mtliche europĂ€ischen LĂ€nder mit reformierter Geschichte einschließt – aus amerikanischer Sicht).
‱ Diarmaid MacCulloch: Die Reformation 1490–1700. DVA, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-421-05950-5 (Standardwerk, welches einen Überblick ĂŒber den Reformationsprozess in Gesamteuropa bietet).
‱ Bernd Moeller: Deutschland im Zeitalter der Reformation (= Deutsche Geschichte. Band 4; Kleine Vandenhoeck-Reihe. 1432). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-33462-1. (Profanhistorische Reihe mit sozialgeschichtlichem Zugang).
‱ Andrew Pettegree: Die Marke Luther. Insel, Berlin 2016, ISBN 978-3-458-17691-6 (Zeigt die Geschichte der Reformation als Geschichte ihrer BĂŒcher, ihrer Produktion und Vermarktung; Rezension).
‱ Horst Rabe: Deutsche Geschichte 1500–1600. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung. C. H. Beck, MĂŒnchen 1991, ISBN 3-406-35501-3.
‱ Christine Roll (Hrsg.): Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift fĂŒr Horst Rabe. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1996, ISBN 3-631-47923-9.
‱ Heinz Schilling: 1517. Weltgeschichte eines Jahres. C. H. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-70069-9.
‱ Johannes Schilling: Gewesene Mönche. Lebensgeschichten in der Reformation (= Schriften des Historischen Kollegs. Band 26). MĂŒnchen 1990. (Digitalisat)
‱ Helga Schnabel-SchĂŒle: Die Reformation 1495–1555. Reclam, Ditzingen 2006, ISBN 3-15-017048-6.
‱ Helga Schnabel-SchĂŒle: Reformation. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch, J. B. Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-02593-7.
‱ Luise Schorn-SchĂŒtte: Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. C. H. Beck, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-406-71539-6.
‱ Armin Sierszyn: 2000 Jahre Kirchengeschichte, Reformation und Gegenreformation. Band 3. HĂ€nssler, Holzgerlingen 2000, ISBN 3-7751-3247-3 (Umfassende Darstellung, viele Quellenangaben, aus landeskirchlich-evangelikaler Sicht).
‱ FrantiĆĄek Ć mahel (Hrsg.): HĂ€resie und vorzeitige Reformation im SpĂ€tmittelalter (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. 39). Oldenbourg, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-486-56259-2 (Digitalisat)
‱ Anette Völker-Rasor (Hrsg.): Oldenbourg Geschichte Lehrbuch. FrĂŒhe Neuzeit. Oldenbourg, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-486-56426-9.
‱ Manfred E. Welti: Kleine Geschichte der italienischen Reformation (= Schriften des Vereins fĂŒr Reformationsgeschichte. Band 193). Mohn, GĂŒtersloh 1985, ISBN 3-579-01663-6, S. 65–69 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
‱ Rainer Wohlfeil: EinfĂŒhrung in die Geschichte der deutschen Reformation. C. H. Beck, MĂŒnchen 1982, ISBN 3-406-08675-6.
‱ Reihe Orte der Reformation. 39 Hefte (Stand: April 2021). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, seit 2011cite-ref-181[181]

Weblinks

Commons

: Reformation

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: Reformation

– Quellen und Volltexte

Wiktionary: Reformation

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur zum Schlagwort Reformation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Reformation. Die Wurzeln der evangelischen Kirche, Website ekd.de (mit vielen Unterthemen).
‱ Themenportal „Reformation“ auf historicum.net.
‱ Zentrale Website ReformationsjubilĂ€um Luther 2017 – 500 Jahre Reformation.
‱ Lutherpedia (Evangelischer Presseverband Bayern).
‱ Stiftung LuthergedenkstĂ€tten in Sachsen-Anhalt.
‱ Salle 1: RĂ©formation, Website musee-reforme.ch.
‱ Marcel Nieden: Die Wittenberger Reformation als Medienereignis. In: EuropĂ€ische Geschichte Online, hrsg. vom Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz), 2012.
‱ 500 Jahre Reformation auf dem Informationsportal zur politischen Bildung.
‱ 95 Autographe der Reformationszeit aus dem Bestand der SLUB Dresden.
‱ Reformation auf dem Land - Die lĂ€ndlich-dörfliche Seite des Themas, erforscht von einem Projekt am Historischen Seminar der UniversitĂ€t MĂŒnster.
‱ EinfĂŒhrung in die Reformierte Geschichte, Website reformiert-online.net (Reformierter Bund).
‱ Andreas Thier: 5. Pars IV: Krisen und Reformen im Zeitalter der Konfessionalisierung (1500-1618), Legal History Online, Lehrstuhl fĂŒr Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Rechtstheorie und Privatrecht UniversitĂ€t ZĂŒrich, Website rwi.uzh.ch.
‱ Albrecht Classen: Protestant Reformation, Website The University of Arizona (2023).

Medien

‱ „War of Thrones - Krieg der Könige“, mehrteilige Dokumentationen ĂŒber die Zeit der Renaissance und der Glaubenskriege ab Staffel 1, Folge 1 bis Staffel 2, Folge 10 von Vanessa Pontet, Christoph Holt und Alain Brunard ([2] auf zdf.de).
‱ Thomas Kaufmann: RevolutionĂ€rer Wandel in der FrĂŒhzeit der Reformation. UniversitĂ€t Göttingen, an der UniversitĂ€t Konstanz. Studium Generale – Ringvorlesung im Wintersemester 2014/15, 11. November 2014 [3].
‱ Ute Gebhardt: Luthers BibelĂŒbersetzung - der erste Bestseller der Welt. In: Der Osten - Entdecke wo du lebst, Erstausstrahlung 17. MĂ€rz 2021, ARD ([4] auf mdr.de).
‱ Anne Roerkohl: Die Reformation in Europa, Schulfilme Geschichte, Website dokumentarfilm.com.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Ulrich Köpf: Reformation. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 7, Mohr-Siebeck, TĂŒbingen 2004, Sp. 145–159., hier Sp. 149.
cite-note-leppin-2005-22. ↑ Volker Leppin: SiebenbĂŒrgen: Ein kirchenhistorischer Sonderfall von allgemeiner Bedeutung. In: Volker Leppin, Ulrich A. Wien (Hrsg.): Konfessionsbildung und Konfessionskultur in SiebenbĂŒrgen in der FrĂŒhen Neuzeit. Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa. Frank Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08617-X, S. 13.
cite-note-33. ↑ Bernhard Töpfer: Die Hussitenbewegung - die erste Revolution, die erste Reformation in der Geschichte Europas? In: Zeitschrift fĂŒr Geschichtswissenschaft 52 (2004), S. 205–217.
cite-note-44. ↑ Wietse de Boer: Reformation(en) und Gegenreformation(en): Umstrittene Begrifflichkeiten der Geschichtsschreibung. In: Alberto Melloni (Hrsg.): Martin Luther. Ein Christ zwischen Reformen und Moderne (1517–2017). De Gruyter, Berlin u. a. 2017, S. 45–61, hier S. 47 und 49.
cite-note-55. ↑ Ulrich Köpf: Reformation. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 7, Mohr-Siebeck, TĂŒbingen 2004, Sp. 145–159., hier Sp. 145.
cite-note-66. ↑ Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte. Eine Geschichte der Reformation. 4. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2017, S. 12.
cite-note-77. ↑ Wietse de Boer: Reformation(en) und Gegenreformation(en): Umstrittene Begrifflichkeiten der Geschichtsschreibung. In: Alberto Melloni (Hrsg.): Martin Luther. Ein Christ zwischen Reformen und Moderne (1517–2017). De Gruyter, Berlin u. a. 2017, S. 45–61, hier S. 54.
cite-note-88. ↑ Gottfried Seebaß: Reformation. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 28, de Gruyter, Berlin / New York 1997, ISBN 3-11-015580-X, S. 386–404., hier S. 387.
cite-note-99. ↑ Gottfried Seebaß: Reformation. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 28, de Gruyter, Berlin / New York 1997, ISBN 3-11-015580-X, S. 386–404., hier S. 388.
cite-note-1010. ↑ Nicole Grochowina: Reformation. De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 10 f.
cite-note-1111. ↑ Richard Rex: Luther unter den Humanisten. In: Alberto Melloni (Hrsg.): Martin Luther. Ein Christ zwischen Reformen und Moderne (1517–2017). De Gruyter, Berlin u. a. 2017, S. 209–227, hier S. 209f.
cite-note-1212. ↑ Olaf Mörke: Die Reformation. Voraussetzungen und Durchsetzung. Oldenbourg, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-486-59987-9, S. 132 f. Andreas WĂŒrgler: Medien in der frĂŒhen Neuzeit. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-486-75521-3. Marcel Nieden: Die Wittenberger Reformation als Medienereignis. 23. April 2012.
cite-note-1313. ↑ Helga Schnabel-SchĂŒle (Hrsg.): Reformation. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch. Metzler, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-476-02593-7, S. 298–310.
cite-note-1414. ↑ Andrew Pettegree: Die Marke Luther. Wie ein unbekannter Mönch eine deutsche Kleinstadt zum Zentrum der Druckindustrie und sich selbst zum berĂŒhmtesten Mann Europas machte - und die protestantische Reformation lostrat. Insel, Berlin 2016, ISBN 978-3-458-17691-6, S. 119–129, 155.
cite-note-1515. ↑ Andrew Pettegree, Matthew Hall: The reformation and the book. A reconsideration. In: The Historical Journal. 47, 2004, S. 785–808.
cite-note-1616. ↑ Peter Ukena: Flugschriften und verwandte Medien im Kommunikationsprozeß zwischen Reformation und FrĂŒhaufklĂ€rung. In: Hans-Joachim Köhler (Hrsg.): Flugschriften als Massenmedium der Reformationszeit: BeitrĂ€ge zum TĂŒbinger Symposion 1980. (= SpĂ€tmittelalter und frĂŒhe Neuzeit. 13). Klett-Cotta, Stuttgart 1981, ISBN 3-12-911630-3, S. 163–170.
cite-note-1717. ↑ Hans-Joachim Köhler: Erste Schritte zu einem Meinungsprofil der frĂŒhen Reformationszeit. In: Volker Press, Dieter Stievermann (Hrsg.): Martin Luther: Probleme seiner Zeit (= SpĂ€tmittelalter und frĂŒhe Neuzeit. 16). Klett-Cotta, Stuttgart 1986, S. 244–281.
cite-note-1818. ↑ Hans-Joachim Köhler (Hrsg.): Flugschriften als Massenmedium der Reformationszeit. BeitrĂ€ge zum TĂŒbinger Symposion 1980. Klett-Cotta, Stuttgart 1981, ISBN 3-12-911630-3.
cite-note-1919. ↑ Christoph Galle: Die Reformation als Sprachereignis. Martin Luther, die Reformation und die Entwicklung einer deutschen Volkssprache. NR. 11, November 2016, abgerufen am 20. Januar 2019 auf literaturkritik.de
cite-note-2020. ↑ Mark U. Edwards: Printing, Propaganda and Martin Luther. University of California Press, Berkeley / Los Angeles / Oxford 1994. publishing.cdlib.org auf UC Press E-Books Collection, 1982–2004.
cite-note-2121. ↑ Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 10). 5. Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen 2002, S. 4.
cite-note-2222. ↑ Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 10). 5. Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen 2002, S. 6.
cite-note-2323. ↑ Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 10). Oldenbourg, 5. Auflage MĂŒnchen 2002, S. 17.
cite-note-2424. ↑ Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 10). Oldenbourg, 5. Auflage MĂŒnchen 2002, S. 21f.
cite-note-2525. ↑ Berndt Hamm: ReligiositĂ€t im spĂ€ten Mittelalter. Spannungspole, NeuaufbrĂŒche, Normierungen. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2011, S. 6.
cite-note-2626. ↑ Nicole Grochowina: Reformation. De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 51, mit Verweis auf Bernd Moeller: Frömmigkeit in Deutschland um 1500. In: Matthias Pohlig (Hrsg.): Reformation. Steiner, Stuttgart 2014, S. 35–55.
cite-note-2727. ↑ Thomas Lentes: Die Deutung des Scheins. Das symbolische Verhalten im SpĂ€tmittelalterbild (1830–1945). In: Berndt Hamm, Thomas Lentes (Hrsg.): SpĂ€tmittelalterliche Frömmigkeit zwischen Ideal und Praxis. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2001, S. 1–23, hier S. 10 f. Dabei wurde die positiv bewertete Verinnerlichung je nachdem als lutherisch, als modern oder als germanisch verstanden.
cite-note-2828. ↑ Heinrich Lutz: Reformation und Gegenreformation (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 10). Oldenbourg, 5. Auflage MĂŒnchen 2002, S. 13.
cite-note-2929. ↑ Zu diesem Begriff vgl. Hans-JĂŒrgen Goertz: Pfaffenhaß und groß Geschrei. Die reformatorischen Bewegungen in Deutschland 1517–1529, MĂŒnchen 1987.
cite-note-3030. ↑ Nicole Grochowina: Reformation. De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 54.
cite-note-3131. ↑ Gottfried Seebaß: Reformation. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 28, de Gruyter, Berlin / New York 1997, ISBN 3-11-015580-X, S. 386–404., hier S. 401.
cite-note-3232. ↑ Nicole Grochowina: Reformation. De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 22.
cite-note-3333. ↑ Gustav Adolf Benrath: Wyclif, John. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 8, Mohr-Siebeck, TĂŒbingen 2005, Sp. 1747–1750.
cite-note-3434. ↑ Martin Brecht: Luther, Martin I. Leben. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 21, de Gruyter, Berlin / New York 1991, ISBN 3-11-012952-3, S. 514–530., hier S. 515f.
cite-note-3535. ↑ Volker Leppin: Martin Luther. Von Zabern, 3. Auflage Mainz 2017, S. 84f.
cite-note-3636. ↑ Vgl. aber Volker Leppin: Martin Luther. Von Zabern, 3. Auflage Mainz 2017, S. 39, der Luthers rĂŒckblickende Beschreibungen seines Klosterlebens als Konvertitenliteratur bezeichnet.
cite-note-3737. ↑ Sehr genau datierte Martin Brecht dieses Ereignis in seiner großen Lutherbiografie: noch nicht im Februar, aber vor dem 28. MĂ€rz 1518. Vgl. Martin Brecht: Martin Luther, Band 1: Sein Weg zur Reformation. Calwer Verlag, Stuttgart 1983, S. 222.
cite-note-3838. ↑ Reinhard Schwarz: Luther, Martin I: Leben und Schriften. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 6, Mohr-Siebeck, TĂŒbingen 2003, Sp. 558–572., hier Sp. 560.
cite-note-3939. ↑ Fourth Lateran Council : 1215 Council Fathers - Papal Encyclicals. 11. November 1215, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
cite-note-4040. ↑ Martin Brecht: Luther, Martin I. Leben. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE). Band 21, de Gruyter, Berlin / New York 1991, ISBN 3-11-012952-3, S. 514–530., hier S. 516f.
cite-note-4141. ↑ Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation. MĂŒnchen 2017, S. 69
cite-note-9-4242. ↑ Christiane Schuchard: Was ist ein Ablasskomissar?; in: ed. H. KĂŒhne, Johann Tetzel und der Ablass: Begleitband zur Ausstellung »Tetzel – Ablass – Fegefeuer« in Mönchenkloster und Nikolaikirche JĂŒterbog; ISBN 978-3-86732-262-1 Lukas Verlag Juli 2017 (2017). S. 122–123 (online via google books)
cite-note-4343. ↑ Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation. MĂŒnchen 2017, S. 109
cite-note-4444. ↑ Martin Brecht: Martin Luther, Band 1, Stuttgart 1983, S. 175–177
cite-note-4545. ↑ Vgl. auch Bernd Moeller: Die letzten Ablaßkampagnen. Der Widerspruch Luthers gegen den Ablaß in seinem geschichtlichen Zusammenhang. In: Hartmut Boockmann, Bernd Moeller, Karl Stackmann (Hrsg.): Lebenslehren und WeltentwĂŒrfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Politik – Bildung – Naturkunde – Theologie. Bericht ĂŒber Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des SpĂ€tmittelalters 1983 bis 1987 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: philologisch-historische Klasse. Folge III, Nr. 179). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82463-7, S. 539–568.
cite-note-22-4646. ↑ Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation. MĂŒnchen 2017, S. 110
cite-note-4747. ↑ Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther – Die Biographie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-066088-6, S. 110.
cite-note-4848. ↑ Martin Brecht: Martin Luther, Band 1, Stuttgart 1983, S. 179–181
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cite-note-5858. ↑ Volker Leppin: Martin Luther. Von Zabern, 3. Auflage Mainz 2017, S. 126: „Selbst wenn man die 
 Belege, dafĂŒr, dass in Wittenberg tatsĂ€chlich eine akademische Disputation ĂŒber die Ablassthesen stattgefunden habe, fĂŒr ausreichend hĂ€lt, ein solches Ereignis zu postulieren, 
 verschöbe sich das Bild vom Reformator, der 
 den Hammer schwingt und dadurch eine neue Epoche einlĂ€utet, zu einem geschĂ€ftsmĂ€ĂŸigen Wirken des Pedells an einem ganz gewöhnlichen Tag im UniversitĂ€tsleben.“
cite-note-5959. ↑ Volker Leppin: Martin Luther. Von Zabern, 3. Auflage Mainz 2017, S. 128f.
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cite-note-109109. ↑ KurfĂŒrst Johann der BestĂ€ndige von Sachsen, Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach, Herzog Ernst von Braunschweig-LĂŒneburg, Landgraf Philipp von Hessen, FĂŒrst Wolfgang von Anhalt.
cite-note-110110. ↑ Heilbronn, Isny, Kempten, Konstanz, Lindau, Memmingen, Nördlingen, NĂŒrnberg, Reutlingen, St. Gallen, Straßburg, Ulm, Weißenburg, Windsheim.
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cite-note-131131. ↑ Volker Reinhardt: Die unmögliche Mission. Calvin und Genf 1541–1564. In: Freiburger Zeitschrift fĂŒr Philosophie und Theologie 56 (2009), S. 138: „Die politische Klasse hĂ€tte ihn somit von einem Tag auf den anderen ausweisen können, wenn ihr der Sinn danach gestanden hĂ€tte. Als Folge dieses, heute wĂŒrde man sagen, Permis-A-Status, hat er selbstverstĂ€ndlich auch kein Amt bekleidet, geschweige denn politische Macht ausgeĂŒbt.“ (doi:10.5169/seals-760772#140).
cite-note-132132. ↑ Volker Reinhardt: Die unmögliche Mission. Calvin und Genf 1541–1564. In: Freiburger Zeitschrift fĂŒr Philosophie und Theologie 56 (2009), S. 142.
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cite-note-140140. ↑ W. Ian P. Hazlett: The Scots Confession 1560: Context, Complexion and Critique. In: Archiv fĂŒr Reformationsgeschichte 78 (1987), S. 287–320, hier S. 318.
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cite-note-170170. ↑ Corinna MĂŒhlstedt: Reformation in Italien. In Feindesland. Gibt es eine Hölle, so steht Rom drauf! Martin Luther formulierte ein hartes Urteil ĂŒber das Zentrum der katholischen Kirche. Seine Gedanken breiteten sich schnell in Italien aus. Die Inquisition machte dem ein Ende. 1588 galt die evangelische Bewegung als „erloschen“. Deutschlandfunk, 27. Dezember 2017.
cite-note-171171. ↑ Andrea Spalinger: Luthers vergessene VorlĂ€ufer. Die 1175 gegrĂŒndete Waldenser-Bewegung wurde ĂŒber Hunderte von Jahren fast ausgerottet. Sie zĂ€hlt in Italien noch 30'000 Mitglieder. Über 500'000 Italiener vertrauen ihr jedoch ihre Kirchensteuer an. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. ZĂŒrich, 29. August 2017.
cite-note-172172. ↑ Manfred E. Welti: Kleine Geschichte der italienischen Reformation (= Schriften des Vereins fĂŒr Reformationsgeschichte. Band 193). Mohn, GĂŒtersloh 1985, ISBN 3-579-01663-6. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
cite-note-173173. ↑ Christian Modehn: Reformation in Spanien - Casiodoro de Reina - Einfach nur Protestant sein. Religionsphilosophischer Salon, 4, Januar 2017.
cite-note-174174. ↑ Dass die Reformation den SĂ€kularismus heraufgefĂŒhrt habe, war bis etwa zum Zweiten Vatikanum ein Hauptargument der katholischen Kontroversgeschichtsschreibung, vgl. Paolo Ricca: Die Reformation und der Protestantismus. In: Alberto Melloni (Hrsg.): Martin Luther. Ein Christ zwischen Reformen und Moderne (1517–2017). De Gruyter, Berlin u. a. 2017, S. 25–44, hier S. 31f.
cite-note-175175. ↑ Christian Peters: Bekenntnisschriften. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 1, Mohr-Siebeck, TĂŒbingen 1998, Sp. 1270–1276., hier Sp. 1273.
cite-note-176176. ↑ Hier zitiert nach: Reformierte Bekenntnisschriften. Eine Auswahl von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart, hrsg. von Georg Plasger und Matthias Freudenberg, Göttingen 2005, S. 191.
cite-note-1-177177. ↑ Werner Besch: Luther und die deutsche Sprache: 500 Jahre deutsche Sprachgeschichte im Lichte der neueren Forschung. Erich Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-503-15522-4.
cite-note-15-178178. ↑ Martin Brecht: Ordnung und Abgrenzung der Reformation 1521–1532. Stuttgart 1986, S. 57.
cite-note-179179. ↑ Zur Rezeption in Kultur, in bestimmten Regionen (z. B. Linz, OberkĂ€rnten) und in Freikirchen siehe Martina Fuchs, Astrid Schweighofer (Bearb.): Reformationszeit und Protestantismus im österreichischen GedĂ€chtnis (= Jahrbuch fĂŒr die Geschichte des Protestantismus in Österreich 132/133, 2016/2017), Leipzig 2019.
cite-note-180180. ↑ doi:10.17104/9783406700798
cite-note-181181. ↑ http://d-nb.info/1012600653, abgerufen am 24. April 2021.